Fuzo: ÖVP startet Befragung. VP-Stadtrat Ronald Altmann will Thema in eigener Arbeitsgruppe behandeln – „mit oder ohne SPÖ“.

Von Susanne Müller. Erstellt am 25. Januar 2019 (04:32)
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Die Kirchengasse beschäftigt Politik und Bevölkerung. Über die beste Herangehensweise ist man sich allerdings keineswegs einig.
Müller

Die Innenstadt-Belebung ist weiterhin ein viel diskutiertes Thema – sowohl auf politischer Ebene als auch in den sozialen Medien und natürlich bei jenen, die es in erster Linie betrifft: den Geschäftsleuten und Bewohnern der Innenstadt.

Nachdem SP-Bürgermeister Gerhard Weil zuletzt klargestellte hat, dass das Thema in der Arbeitsgruppe Stadtentwicklung bearbeitet werden soll und keine zusätzliche Arbeitsgruppe gegründet wird, will VP-Sprecher Ronald Altmann nun selbst aktiv werden. Er hat einen Fragebogen entworfen, der nun an alle Geschäftsinhaber und deren Angestellte, Hauseigentümer und Mieter in der Kirchengasse gehen soll. „Insgesamt sind das etwa 100 Personen, die in der Kirchengasse leben und arbeiten. Ziel ist es, die Wünsche und Bedürfnisse der unmittelbar betroffenen Personen zu erheben“, sagt Altmann.

Konkret erfragt wird darin etwa, welche Nachteile die Betroffenen in der Kirchengasse sehen, welche Maßnahmen zur Attraktivierung sie sich wünschen, oder wie sie zu einer Teil-Öffnung der Fuzo für den Autoverkehr stehen. Der Fragebogen kann auch anonym ausgefüllt werden, allerdings werden einige Daten zur persönlichen Situation erhoben, also ob die Fragen etwa von einem Hauseigentümer, Bewohner oder Geschäftsbetreiber beantwortet wurden. Die Fragebögen sollen bis 31. Jänner retourniert werden. Danach will Altmann die Ergebnisse in einer eigenen Arbeitsgruppe evaluieren – „mit oder ohne SPÖ“.

"Arbeitsgruppe wird sich mit Thematik beschäftigen"

Er sehe sich gezwungen, die Initiative zu ergreifen, da sich die „Negativspirale“ weiterdrehe, verweist Altmann darauf, dass in den nächsten Wochen weitere drei Geschäfte in der Kirchengasse schließen werden: Das Kaffee-Geschäft Valentini im frisch renovierten Leithner-Haus, der „Selbst&Ständig Coworking Space“ in Altmanns eigenem Haus sowie die Schatzkiste Klamondina in der Kirchengasse 3.

Er vermisse „echte“ Maßnahmen seitens der Gemeinde, will Altmann seine Kritik an SP-Wirtschaftsstadtrat Josef Newertal erneuert wissen. Dessen zuletzt geäußerte Argumente könne er nicht gelten lassen, denn der „Gestaltungsbeirat“, den es seit 2017 gibt, sei wirkungslos. Die von Newertal genannte „Innenstadt-Förderung für Betriebe“ von maximal 5.000 Euro verpuffe, wenn „die Firmen binnen kürzester Zeit wieder schließen, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen“, betont Altmann, der 22 Betriebe aufzählt, die in den letzten Jahren die Innenstadt verlassen haben oder demnächst ausziehen werden. „Eine vernichtende Bilanz“, meint er.

Von einigen Geschäftsleuten in der Innenstadt wird unterdessen die Klage laut, dass die aktuelle Debatte rund um die Kirchengasse einen weiteren Abwärts-Trend auslösen würde. Schließlich seien nach wie vor 27 Betriebe in der Fuzo aktiv. „Schlechtreden“ würde ihnen allerdings mit Sicherheit auch nicht helfen.

SP-Bürgermeister Gerhard Weil lässt sich von Altmanns Vorwürfen und Ankündigungen jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. „Ich kann nur noch einmal darauf verweisen, dass sich die Arbeitsgruppe am 29. Jänner mit der Thematik beschäftigen wird“, betont er. Eine „Privatinitiative“ sei jedem selbst überlassen. Allerdings, so Weil: „Sieben Arbeitskreise werden uns auch nicht mehr Geschäfte bringen.“