Anzeige wegen Lärm in den Weingärten. Vogelkundler Roman Matz klagt den Bruckneudorfer Weinbauverein wegen Lautsprecher in Weingärten. Der Konter: Besitzstörungsklage.

Von Otto Havelka. Erstellt am 10. Oktober 2020 (04:55)
Roman Matz bei einem Lautsprecher in den Weingärten am Ungerberg. Er erstattete Anzeige gegen akustische Vertreibung von Staren.
Havelka

Wer zwischen den Weingärten am Ungerberg einen Spaziergang unternimmt, bekommt dabei eine eigenartige Geräuschkulisse serviert. In Abständen von einigen Minuten ertönen Motorenlärm, Schreie von Raubvögeln oder Schüsse.

Was nur Insider wissen: Der akustische Mix kommt aus einem halben Dutzend Lautsprecher, die zwischen den Rebstöcken montiert sind. Mit der Beschallung der Weingärten sollen Stare davon abgehalten werden, die süßen Trauben aufzufressen.

Nun hat Roman Matz, Krankenpfleger, Vogelkundler und Mitglied von Birdlife Österreich, Anzeige gegen die Beschallung aus dem Trichter erhoben. Diese wäre gesetzeswidrig, störend für Ausflügler und Anrainer und gefährde auch geschützte Vogelarten im Gebiet. Darüber hinaus wären die Trauben derzeit bereits zu 98 Prozent abgeerntet und von Staren gebe es keine Spur. Tatsächlich findet sich in der aktuellen Verordnung der Gemeinde über „Maßnahmen zur Vertreibung der Stare“ kein Hinweis auf die Verwendung von Lautsprechern. Erlaubt ist demnach nur, dass Weingartenhüter mit Schreckschüssen Stare vertreiben dürfen. „Ich habe noch nie einen Weingartenhüter dort gesehen“, ätzt Matz.

Der Obmann des Weinbauvereins Bruck/Leitha, Thomas Windholz, reagiert sauer: „Wir haben nicht die Zeit, dort rund um die Uhr Beobachter hinzustellen.“ Die verwendeten Beschallungsgeräte seien bei der Bezirkshauptmannschaft gemeldet und bewilligt worden.

Er geht nun in die Gegenoffensive und erstattete Anzeige wegen Besitzstörung, weil Kabel und Batterien der Lautsprecheranlagen herausgerissen wurden. „So gibt es kein friedliches Zusammenleben“, klagt Windholz. SP-Umweltgemeinderat Berhard Schütz, dem die Beschallung auch ein Dorn im Ohr ist, sieht die Sache programmatisch: „Solange es keine Anrainerbeschwerden gibt, ist alles in Ordnung.“