Realistisch üben für den Ernstfall. Am Truppenübungsplatz entsteht ein neues Trainingsgelände für Großeinsätze im städtischen Bereich.

Von Otto Havelka. Erstellt am 09. März 2020 (05:55)
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Übung im „Angererdorf“: Stürmen eines Wohnhauses.
TÜPl

Auf dem Areal des Truppenübungsplatzes (TÜPl) oberhalb von Kaisersteinbruch soll heuer noch fleißig gebuddelt werden. Bis Ende des Jahres sollen hier ein Bahnhof mit Park&Ride-Anlage, mehrere Holzhäuser, eine Ruine aus Betonwand-Elementen sowie ein Flusslauf mit unterschiedlichen Brücken und einer Furtstelle errichtet werden.

Das Gelände soll künftig Soldaten als Übungsterrain für „Einsätze im urbanen Umfeld“ dienen, erklärt TÜPl-Kommandant Markus Ziegler. Aber auch Einheiten der Polizei, der Rettung und der Feuerwehr sollen hier unter realen Bedingungen Einsätze üben.

Schon seit den 80er Jahren existiert hier auf einem zwei Hektar großen Areal die „Ortskampfanlage Angererdorf“, die die „Ausbildung der Soldaten in allen Einsatzszenarien in urbanem Umfeld“ ermöglichen soll, berichtet Ziegler.

In den nächsten Jahren soll das Übungsgelände auf zwölf Hektar ausgedehnt werden. Geplant sind dabei etwa die Errichtung einer Einkaufsstraße, eines Marktes und einer Tankstelle.

Trainiert wird hier vor allem für Auslandseinsätze, Katastrophenfälle oder etwa für Einsätze bei terroristischen Überfällen im städtischen Bereich.

Um dies in einem realistischen Umfeld zu üben, ist das „Angererdorf“ mittlerweile zu klein geworden – vor allem für Einsatzübungen mit hundert Mann und mehr.

Übungsdorf wird ohne Budget errichtet

Neben der für Großübungen wichtigsten Ausbildungsanlage in Allentsteig (NÖ) wurde nun der Ausbau der Anlage am TÜPl als Ergänzung genehmigt. Zwar gibt es dafür keine separaten Budgetmittel, passt aber gut ins Ausbildungsprogramm der Soldaten.

TÜPl-Kommandant Markus Ziegler plant Ausbau eines urbanen Übungsgeländes.
TÜPl

So müssen etwa am Institut Pionier in Bruckneudorf alle Offiziere und Unteroffiziere in Unterkunfts- und Campbau ausgebildet werden. Die von ihnen errichteten Häuser dienen ebenso dem Ausbau der Übungsanlage wie die Brücken, die von der Miliz Pionierkompagnie des Burgenlandes im Rahmen ihrer Übungen errichtet wurden.

Das Angererdorf, das sich nun allmählich zur City entwickeln soll, spielt für Übungen im Ernstfall alle Stückerln.

Türen und Fenster sind so konstruiert, dass sie hemmungslos eingetreten werden können. Ein „bodenloses Haus“ kann mit Granaten beworfen werden und auf einem Teil des Geländes ist auch „Scharfschießen mit nahezu allen Infanteriewaffen möglich“, so Ziegler. „Die einzige urbane Trainingsanlage in Österreich, in der das möglich ist.“

Brände können hier ebenso inszeniert werden wie Szenarien für gefährliche Hausdurchsuchungen, Rettung von Personen aus Stockwerken oder den Einsatz von Rettungshunden in Trümmerruinen.