Industriegebiet stößt auf Gegenwind. Lkw rollten unangekündigt durch die Siedlung der Lagerhausstraße in Enzersdorf. Die Liste GeMa fordert mehr Weitsicht bei der Betriebs-Ansiedelung.

Von Kerstin Schäfer-Zimmermann. Erstellt am 15. September 2021 (05:40)

Niemand in der Siedlung rund um die Lagerhausstraße wurde informiert, dass die Bagger und Lkw anrollen, um die Aufschließung der Straße im Industriezentrum Süd bis zum Kreisverkehr anzugehen. Dementsprechend erhitzt waren die Gemüt. Bei der Gemeinderatssitzung im Juni hieß es auf Anfrage der Liste GeMa noch, es gäbe keine konkreten Projekt-Einreichungen für das Industriegebiet Süd.

Das Interesse sei aber enorm gestiegen, die Grundstücksbesitzer seien an die Gemeinde herangetreten und hätten die Aufschließung urgiert. Konkret siedeln sich dort drei neue Betriebe fix an.

Für Milos Matijevic von der Liste GeMa sind die Bauarbeiten Grund genug, die Widmungen der Industriegebiete, die Ansiedelungspolitik und die Vorgehensweise der Gemeinde zu kritisieren: „In Teilen des Industriegebiets stehen Bauruinen. Statt diese zu nutzen, versiegelt man neue Flächen“, vermisst Matijevic Weitblick bei den Ansiedelungen.

Man sei nicht grundsätzlich gegen die Industriegebiete. „Aber wo bitte bleibt die Wertschöpfung für die Gemeinde, wenn sich ausschließlich Logistikunternehmen ansiedeln, Hallen und Containerflächen entstehen, wo kaum Personal gebraucht wird, also auch kaum Arbeitsplätze entstehen. Enzersdorf und Margarethen bekommen nur den Verkehr. Sonst nichts“, meint Matijevic.

Einfluss der Gemeinde auf Betriebe gering

Zuständig ist seitens der Gemeindeführung Vizebürgermeister Werner Herbert (FPÖ). Er ist es auch, der zum Gegenschlag ausholt:

„Wie Matijevic weiß, besitzt nicht die Gemeinde die meisten Grundstücksflächen, sondern andere. Diese Besitzer wollen ihre Grundstücke verwerten – das ist klar. Es ist seit über einem Jahr bekannt, dass Gespräche mit Interessenten laufen. Jetzt wird es konkret.“ Die Zufahrt der Lkw für die Straßenarbeiten sei nicht anders möglich gewesen. „Das war aber in zwei Tagen erledigt. Wenn die Straße fertig ist, bedeutet das außerdem eine irrsinnige Entlastung der Lagerhausstraße, weil die Anlieferungen künftig über das Industriegebiet erfolgen“, so Herbert.

Warum die AnrainerInnen nicht gesondert informiert wurden, kommentiert Herbert so: „Es hätte an der Aufregung nichts geändert.“

Kostenpunkt für diese Straße: 500.000 Euro. Ohne Belag. Der wird laut Gemeinde erst aufgebracht, wenn die Arbeiten nach den Betriebsansiedelungen beendet sind. Über die Aufschließungskosten hole man sich laut Herbert einen Teil der Kosten wieder retour. Und selbst wenn man als Gemeinde wenig Einfluss auf die Auswahl der Betriebe habe, sei er mit dem Status quo zufrieden: „Der Schwerpunkt Produktion und Logistik hatte in Zeiten der Pandemie einen großen Vorteil: Die Gemeinde hatte kaum Verluste bei den Kommunalsteuerabgaben“, so Herbert.

Hoffen auf Entlastung durch Umfahrungsstraße

Das sieht auch die SPÖ so: „Ja natürlich wäre eine Ansiedelung mit möglichst vielen Arbeitsplätzen top, nur leider haben wir hier wenig Einfluss. Die Betreiber verhandeln direkt mit den Grundstücksbesitzern und gewerberechtlich ist die Bezirkshauptmannschaft zuständig“, so SP-Umweltgemeinderat Michael Grill. Gegen Widmungen und rechtlich konforme Projekte zu sein, sei „nett, aber sinnlos. Bestätigen kann ich, dass sich die Einnahmen der Gemeinde durch Betriebsansiedelungen bisher verdoppelt haben“, so Grill.

Herbert betont auch, dass diese Einnahmen in Projekte fließen, die der Bevölkerung zugute kommen: Straßenbau, Dorfplatz, Kindergarten, Blaulichtzentrum, Feuerwehren. „Wir schaffen ja auch sehr viel.“

Nicht von der Hand zu weisen, sei die Belastung durch den Verkehr. Hier erhofft sich Herbert aber Abhilfe durch die Umfahrung, die großteils auf der Trasse der sogenannten Spange Götzendorf verlaufen wird. 2022 soll sie zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht werden.

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