ÖBB-Spange: „Akzeptable Variante“

Erstellt am 24. Juni 2022 | 05:07
Lesezeit: 4 Min
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Erfreut ist man über die Flughafen-Spange in Enzersdorf zwar weiterhin nicht. Mit der aktuellen Variante scheint man aber leben zu können.
Foto: privat
Die Flughafen-Spange wurde nun auch in Enzersdorf der Bevölkerung präsentiert.
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Die ÖBB präsentierten nun auch in Enzersdorf und Margarethen den Verlauf der Trasse der Flughafen-Spange, die letztendlich eine durchgehende schnelle Bahnverbindung von Wien bis Budapest ermöglichen soll. Als erstes soll dafür die Lücke zwischen dem Flughafen und Bruck geschlossen werden.

Jeweils rund 70 Interessierte nahmen an den ÖBB-Infoveranstaltungen teil.

Die Südvariante würde entlang des Flughafenzauns bis zum Kleinneusiedler Friedhof oberirdisch und dann unter der Fischa geführt. Die weitere Trasse soll dann in einem Tunnel bis kurz nach dem Kreisverkehr B10/B60 geführt werden. Bei Trautmannsdorf soll sie in die Ostbahn einmünden. Fast vier Jahre lang saßen die Gesprächspartner dafür am Verhandlungstisch. Die Einigung auf eine vertiefte Prüfung dieser aktuellen Trasse war einstimmig gefallen. Allerdings zeigte sich Enzersdorf immer skeptisch bis ablehnend (die NÖN berichtete). Denn mit der Reisenbachsiedlung und Teilen der Katastralgemeinde Margarethens wäre man betroffen.

Zwischen der Bahntrasse und dem Ortsteil Margarethen liegen Felder – rund 800 Meter. „Dort wird man Lärmschutzmaßnahmen brauchen. Zumindest einen Windschutzgürtel pflanzen müssen“, hörte man unter anderem. Konkret geplant sind aber bisher keine. Margarethen bekommt zumindest vorerst keinen Lärmschutz, dafür bekommt Enzersdorf einen unterirdisch, im Tunnel situierten, Bahnhof. Freudensprünge macht in Enzersdorf deswegen aber keiner. Damit der neue Bahnhof zu keinem Park&Ride Paradies für Parktouristen werde, habe Werner Herbert, der für die Gemeinde am „Runden Tisch“ sitzt, außerdem darauf bestanden, dass ausschließlich das örtliche Wegenetz benutzt werden darf. Sprich: Es soll über die geplante B260 keine eigene Zufahrt zum Bahnhof gebaut werden.

Das versteht aber wiederum Enzersdorfs Gemeinderat Milos Matijevic (Liste GEMa) gar nicht: „Dann ist ja der einzige geeignete Weg über die Reisenbachsiedlung. Die AnrainerInnen dort werden eine Freude haben“, so Matijevic. Aus seiner Sicht, müsse man hier schon für Alternativen offen sein.

Für den Bahnhof sehe man in Enzersdorf keine Notwendigkeit. „Aus unseren Gemeinden fahren PendlerInnen wenn dann Götzendorf, Fischamend oder gleich Gramatneusiedl an. Dort gibt es die besten Verbindungen. Das wird sich mit dem Bahnhof Enzersdorf nicht ändern“, glaubt Matijevic.

In einer Aussendung der ÖBB heißt es: „Durch einen optionalen Regionalbahnhof inklusive einer möglichen Park & Ride-Anlage profitieren noch mehr potenzielle Fahrgäste und PendlerInnen von einer schnellen Bahnverbindung zum Flughafen Wien und weiter nach Wien – auch aufgrund einer gesteigerten Pünktlichkeit auf der Ostbahn.“

Vizebürgermeister Werner Herbert (FPÖ) knüpfte aber ohnehin immer zwei andere zentrale Punkte an die Zustimmung der Gemeinde für die Spange: Erstens müsste der Trassenverlauf von der Fischaquerung bis zur Grenze mit Trautmannsdorf an der Batthyány-Straße unterirdisch, sprich in einem Tunnel, verlaufen (das wird umgesetzt, Anm.). Zweitens müsse die Prüfung ergebnisoffen sein. Letzteres vermisst die Gemeindeführung in der Kommunikationslinie der ÖBB. So werden die bisherigen Verhandlungen vom „Runden Tisch“ als Einigung auf die Südvariante dargestellt, doch die gebe es laut Enzersdorf eben noch nicht.

Seitens der SPÖ zweifelt man die Sinnhaftigkeit einer Präsentation zum jetzigen Zeitpunkt an. „Wir haben eigentlich eine Präsentation im Gemeinderat für September geplant, im Anschluss sollte die Präsentation für die Bevölkerung erfolgen. Da Trautmannsdorf vorgeprescht ist, mussten wir rasch handeln um unsere Bevölkerung nicht ohne Info im Regen stehen zu lassen“, erklärt SP-Fraktionsvorsitzender Michael Grill, der sich aber zufrieden zeigt, dass alle Forderungen Enzersdorfs in den Projektabschnitt eingeflossen seien.

Bürgermeister Markus Plöchl (ÖVP) betont: „Wir sind unseren BürgerInnen verpflichtet. Nicht den ÖBB. Wenn wir uns nicht zur Wehr gesetzt hätten, wäre man über uns drüber gefahren. Jetzt haben wir eine Variante, die sich akzeptabel darstellt.“ Bis zu einem Beschluss werde es aber dauern.

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