Vater erstochen: Anwalt spricht von Notwehr. Ein 59-jähriger Landwirt ist Freitagnachmittag im Bezirk Bruck an der Leitha durch einen Messerstich tödlich verletzt worden.

Von Redaktion, APA. Update am 07. August 2017 (11:20)
Thomas Lenger, NÖN

Der Bluttat ging eine Meinungsverschiedenheit mit seinem Sohn voraus, "in dessen Verlauf es offensichtlich zu einem Gerangel gekommen sein dürfte", so die NÖ Polizei am Samstag. "Es war Notwehr und kein Mord", hielt der Anwalt des 18-Jährigen in einer Aussendung fest.

Der Beschuldigte wurde festgenommen und über Anordnung der Staatsanwaltschaft in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Er bestreite eine Tötungsabsicht, hieß es am Samstag. Über den Grund des Streits wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Erhebungen dazu - auch im Umfeld der Familie - seien im Gang, sagte ein Polizeisprecher.

Der 59-Jährige soll einen Bruststich erlitten haben. Eine Obduktion wurde angeordnet, deren Ergebnis am Samstag noch ausstand.

Wiederbelebungsmaßnahmen erfolglos

Zu der tödlichen Auseinandersetzung zwischen dem Landwirt und einem seiner drei Söhne war es gegen 15.30 Uhr im Innenhof des Anwesens in Ebergassing gekommen. Laut Polizei befanden sich zu diesem Zeitpunkt weitere Personen im Haus. Wiederbelebungsmaßnahmen durch die Rettungskräfte und der Besatzung eines Notarzthubschraubers verliefen erfolglos.

Die Bezirksleitstelle Bruck an der Leitha war von der Rettungsleitstelle über den Vorfall informiert worden und entsandte Polizeistreifen zum Einsatzort, wo sich der 18-Jährige widerstandslos festnehmen ließ. Die Ermittlungen wurden von der Mordgruppe des Landeskriminalamts Niederösterreich übernommen, die Spurensicherung erfolgte durch die Tatortgruppe. Die Tatortarbeit sei abgeschlossen, die Ermittlungen zum Tatablauf seien noch im Gange, hieß es am Samstag.

 Rechtsanwalt sieht Notwehr

Über den tatverdächtigen Sohn noch am Samstag Untersuchungshaft verhängt worden. Als Grund dafür nannte Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, am Montag Flucht- und Verdunkelungsgefahr.

Die U-Haft, deren Frist zunächst 14 Tage beträgt, bedeute, dass der Haftrichter der Notwehr-Variante des 18-Jährigen nicht gefolgt sei. Da es sich um einen jungen Erwachsenen handle, liege der Strafrahmen für das Tötungsdelikt bei bis zu 15 Jahren, erläuterte Kohl.

Der Beschuldigte hatte sich laut Polizei nach der Bluttat widerstandslos festnehmen lassen. Sein Anwalt sah in der Folge einen "klaren" Fall von Notwehr: Sein Mandant habe mit einem Messer in der Hand den Vater davon abhalten wollen, weiter auf ihn einzuschlagen. Der 59-Jährige habe sich auf seinen Sohn gestürzt und dabei selbst tödlich verletzt.