Hainburg: „Frieden ist möglich“. Die erneuerte Gedenkstätte für nach dem Krieg vertriebene Karpatendeutsche auf dem Hainburger Friedhof wurde neu geweiht.

Von Josef Rittler. Erstellt am 17. November 2019 (04:30)
Norbert Kapeller (Generalsekretär des Verbandes der Landsmannschaften Österreichs), SP-Stadtrat Thomas Häringer, Jan Magyar, Helmut Schmid, Othmar Posch, Rudolf Gutleber, Karl Putz (Obmann der karpatendeutschen Landsmannschaft), Alfred Thinschmidt, Prälat Karl Rühringer, Robert Kudlicska.
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Das als Gedenkstätte gestaltete Grab unbekannter Karpatendeutscher wurde am Donnerstag geweiht. Hier fanden im Jahr 1945 aus der Slowakei vertriebene Altösterreicher ihre letzte Ruhestätte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren rund 4.000 Karpatendeutsche aus ihrer Heimat vertrieben worden und in die Region, hauptsächlich nach Hainburg, Berg, Kittsee und Wolfsthal, gekommen. Sie mussten zunächst unter dürftigsten Verhältnissen leben. Wer die Anstrengungen der Flucht nicht überlebte und keine Angehörigen hatte, wurde mit Kalk überschüttet und als namenloser Toter beerdigt. Es wurde eine Grabstätte errichtet, die war aber nach 34 Jahren schon sanierungsbedürftig, sodass sich die Landsmannschaft der Karpatendeutschen, deren Obmann Karl Putz in Hainburg lebt, dazu entschloss, das Grab als Gedenkstätte erneuern zu lassen. Als eines der Motive dafür zitierte Putz den österreichischen Historiker Stefan Karner: „Geben wir den Kriegstoten ein Gesicht und einen Namen, dann ist Frieden möglich.“

Das Grab wurde als Gedenkstätte neu gestaltet.
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Putz war am 3. Juli 1945 als Achtjähriger mit seiner Familie, den Eltern und zwei jüngeren Brüdern, vertrieben worden. Er hatte in Bruck/Donau (heute Most pri Bratislave) in der Westslowakei gelebt. „Von 2.000 Einwohnern durften nur vier Familien bleiben“, berichtet Putz. Partisanen hatten bewaffnet die Wohnhäuser durchsucht, die Bewohner mussten binnen einer halben Stunde zur Abreise bereit sein. „Wir wurden in ein umzäuntes Areal auf dem Kirchplatz getrieben, auf Wertgegenstände durchsucht, am Abend setzte sich die Kolonne Richtung Grenze in Marsch.“ In Pressburg wurden die Flüchtlinge in einer ausgebombten Patronenfabrik drei Wochen lang eingesperrt und dann über die Grenze getrieben, wo sie zunächst sich selbst überlassen waren. Die erste Unterkunft in Österreich war ein Kuhstall.

Prälat Karl Rühringer, selbst als Kind aus Mähren vertrieben, sagte in einer Ansprache: „Manche Dinge sind nicht wieder gut zu machen. Es gibt nur den Weg des Verzeihens.“

„Das Denken ist heute anders geworden“, sagte Hainburgs Stadtpfarrer Othmar Posch bei der Weihe. Er habe selbst viel Kontakt in die Slowakei und solle Grüße von dort ausrichten. Immer wieder kämen Geistliche über die Grenze, um bei Gottesdiensten auszuhelfen oder die Firmung zu feiern.