„Spuckschutz“ gegen Virus: Plexiglas-Wand kommt gut an. Firma aus Fischamend kann sich vor Aufträgen kaum retten. Alarmglocken bei Blumenhändler „B&B“.

Von Stefanie Cajka, Gerald Burggraf und Judith Jandrinitsch. Erstellt am 25. März 2020 (04:43)
Plexiglas-Vorrichtungen wie diese sind derzeit der Verkaufsschlager bei der Firma Fichtinger aus Fischamend. Normalerweise verkauft das 1957 gegründete Unternehmen in erster Linie Autobeschriftungen, Werbeschilder oder Sportplatztafeln.
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Das wirtschaftliche Leben ist mit den Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Coronavirus fast vollständig zum Erliegen gekommen. Zahlreiche Firmen mussten schließen oder zumindest den Betrieb fast vollständig herunterfahren.

Vor Aufträgen kaum retten kann sich jedoch die Firma Fichtinger aus Fischamend (Bezirk Bruck/Leitha).

Eigentlich ist das Unternehmen von Martin Fichtinger auf Beschriftungen und Beschilderungen spezialisiert. Allerdings produziert man dadurch auch Plexiglasvorrichtungen, die in Zeiten von Corona ganz neue Verwendungsmöglichkeiten finden. So sind diese Kunststoffwände als Spuck- und Niesschutz aktuell der Renner. Laut Fichtinger sei die Nachfrage „extrem“, wie er im NÖN-Gespräch erzählt. In Vor-Corona-Zeiten orderten diese Wände Bäckereien oder Cateringfirmen, „jetzt ist es auch bei Ärzten ein Thema“, weiß der Firmenchef. Anfragen gab es auch bereits von Banken und Trafiken.

Die Lieferzeiten sind dennoch kurz, oft könne man die Plexiglaswand noch am selben Tag bereitstellen. „Höchstens dauert es ein paar Tage“, betont Fichtinger. Diese kann dann außerhalb des Firmengebäudes vom Kunden abgeholt werden, „direkten Kontakt gibt es natürlich keinen“, unterstreicht der Fischamender. Trotz der enormen Nachfrage nach dem Spuckschutz, will Fichtinger die schwere wirtschaftliche Gesamtlage nicht verhehlen. „Die Nachfrage nach anderen Produkten ist gleich Null.“

Schnittblumenhändler: "Müssen gesamte Ware vernichten"

Die Alarmglocken läuten dahingehend auch bei Robert Bigl, Eigentümer von „Blumen B&B“ mit der Firmenzentrale in Guntramsdorf (Bezirk Mödling). Der größte Schnittblumenhändler Österreichs kämpft mit der verordneten Schließung durch die Regierung, während der Lebensmitteleinzelhandel jedoch weiter Schnittblumen im Sortiment verkaufen darf.

Robert Bigl, Eigentümer von „Blumen B&B“.
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Die neueste Hiobsbotschaft erreichte Bigl am Freitagnachmittag, als er erfuhr, dass die Regierung die Verlängerung ihrer Maßnahmen bis 14. April, also den Tag nach Ostermontag, beschlossen hat. Furchtbar ist für Bigl, dass die „300 Jobs der fix angestellten Mitarbeiter auf dem Spiel stehen und wir die gesamte Ware an Blumen, das waren mehrere tausend Kilogramm, vernichten mussten.“

Rein theoretisch könnte Bigl die B&B-Filialen offen halten, um „Samen, Kräuter und Agrarprodukte“ zu verkaufen, doch das erfreue die Kundenaugen wohl wenig, wenn die bunten Blumen fehlen. Dass die großen Supermarktketten weiter Blumen verkaufen dürfen, will er nicht akzeptieren. „Schnittblumen und Topfpflanzen fallen sicher nicht unter die lebensnotwendigen Dinge. Wenn ich es ganz hart formuliere, dann handelt es sich dabei um unlauteren Wettbewerb.“

Eines ist für Bigl jedenfalls klar: „Wir sind ein gesundes Unternehmen und wollen keinen einzigen Mitarbeiter verlieren. Die Mitarbeiter müssen jetzt Urlaub nehmen, ich muss schauen, wie die Anmeldung zur Kurzarbeit in der Praxis gelingt. Ich hoffe schon, dass der Staat uns jetzt nicht hängen lässt, sondern unter die Arme greift.“

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