Anna Maurer: „Wir müssen uns ständig verändern“

Erstellt am 03. Juli 2022 | 05:57
Lesezeit: 3 Min
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Psychotherapeutin Anna Maurer schrieb über ihre Kindheit in Trautmannsdorf.
Foto: privat
Anna Maurer liest in Gallbrunn aus ihrem Roman „Beherzt“. Die Nichten von Alt-Landeshauptmann Andreas Maurer, Anna Maurer und Christine Weissbarth, haben einen autobiografischen Roman über ihre Kindheit in Trautmannsdorf geschrieben.
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NÖN: Sie haben bislang Sachbücher zum Thema Psychotherapie geschrieben. Jetzt haben Sie mit Ihrer Schwester den Roman „Beherzt“ auf den Markt gebracht. Wechseln Sie ins literarische Fach?

Anna Maurer: Nein, es ist mir schon immer ein Anliegen, das Verständnis für Psychotherapie zu fördern. Und ich dachte, anhand einer Geschichte kann man das vielleicht besser nachvollziehen.

NÖN: Der Roman hat starke autobiografische Züge. Arbeiten Sie darin ihre eigene Kindheit auf?

Maurer: Ich habe begonnen, über meine Kindheit als eines von sieben Kindern auf einem Bauernhof in meinem Heimatort Trautmannsdorf zu schreiben. Das habe ich dann meiner Schwester Christine gezeigt, und die hat unsere gemeinsame Kindheit – wir sind ja nur eineinhalb Jahre auseinander – manchmal ganz anders erlebt oder interpretiert. Und so ist dann dieses Buch entstanden.

NÖN: Was waren so unterschiedliche Erlebnisse?

Maurer: Wir sind in einer konservativen katholischen Familie aufgewachsen. Ich musste zum Beispiel als Ältere noch kämpfen, um eine Schule in Wien besuchen zu dürfen, und glaubte an die göttliche Führung, die meinen Wunsch unterstützte. Als meine Schwester zwei Jahre später in dieselbe Schule kam, war sie überzeugt, dass Mutter ihr dazu verholfen hatte.

NÖN: Und welche Rolle spielt dann in dem Buch die Psychotherapie?

Maurer: Wir müssen uns ständig verändern. Die Frage ‚Wer bin ich?‘ beschäftigt uns ein Leben lang. Wie bin ich zu der Person geworden, die ich heute bin? Was hat mich geprägt, wie sehr prägt mich meine Kindheit, mein Aufgewachsensein heute noch? Lebe ich das, was in mir angelegt ist, oder lebe ich so, wie ich glaube, leben zu müssen und wie andere es von mir erwarten? Wie sehr lasse ich mich von Vorstellungen leiten, die ich von anderen übernommen habe?

NÖN: Und die Antworten darauf findet man in dem Buch?

Maurer: Was sich gut und richtig für unser Leben anfühlt, müssen wir immer wieder neu herausfinden. Dabei ist es wichtig, auf die Signale, die aus meinem Körper kommen, auf meine natürlichen Empfindungen, zu achten. Und in dem Buch gibt es dazu auch ein paar praktische Anleitungen für den Leser.

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