Bezirk Bruck/Leitha: Lokale sind jederzeit startklar. Mit einem Abhol-Service halten sich die Betreiber über Wasser. Eine Öffnung muss dennoch bald her.

Von Otto Havelka, Max Stepan, Nicole Frisch und Brigitte Wimmer. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:45)
Simone Lentsch und Michael Petschka vom „Joseph“ mit den Boxen zum selber Fertigkochen.
Simone Lentsch und Michael Petschka vom „Joseph“ mit den Boxen zum selber Fertigkochen.

Seit November sind die Sessel und Tische in den Lokalen verwaist. Mehrere Lockdown-Lockerungen änderten daran nichts, die Gastronomie blieb zu. Die Lokalbetreiber üben sich großteils in Zweckoptimismus.

Im Café Winter in Götzendorf sowie der Filiale in Mannersdorf hat man sich an die Situation gewöhnt, wie Chef Andreas Winter der NÖN erzählt. Zugute kommt ihm, dass der Betrieb mit der Zuckerbäckerei und dem Eisgeschäft zwei weitere Standbeine hat. Das Geschäft sei daher „nicht komplett weggebrochen“, um die 30 Prozent vom normalen Umsatz werden derzeit gemacht. Mit der Kurzarbeit sowie Förderungen vom Staat kommt man bislang gut durch die Krise. Mitarbeiter mussten keine abgebaut werden.

Wir sind frustriert und fühlen uns auf dem Abstellgleis, aber wir wollen uns damit nicht zufriedengeben.“ Michael Petschka, Gastro-Chef im Hotel-Restaurant „Joseph“ in Bruckneudorf

Als Reaktion auf den Ausfall der Gastronomie wurde ein Abhol-Service eingerichtet. Dass bereits um 19 Uhr Schluss sein muss, ärgert Winter: „Speziell die Pizza würde später auch noch gut funktionieren.“ Auf eine Öffnung ist Winter vorbereitet. Zwischen den Tischen wurden Trennwände aufgestellt, das Personal trägt FFP2-Masken und die Luft im Lokal wird in etwa alle zehn Minuten ausgetauscht. Geöffnet wird, sobald es möglich ist.

Die Ungewissheit macht auch Maria Wittner vom Café Wittnerhof in Gramatneusiedl zu schaffen: „Wir wissen noch immer nicht sicher, wann wir wieder aufmachen können.“ Im Café besteht das Personal oft aus Studenten, die nebenbei aushelfen. Die Aushilfen sind jedoch wegen der langen Pause nicht mehr angestellt, neues Personal muss erst gesucht werden. „Wir bleiben aber optimistisch und sind jederzeit startklar“, betont Wittner. Neben der Gastro-Schließung wiegt der Ausfall von Kulturveranstaltungen und Trauungen schwer. „Hochzeiten haben wir zum dritten Mal verschoben. Wir sind mit den Terminen schon im Jahr 2022“, bedauert die Lokalchefin. Geplante Konzerte müssen regelmäßig abgesagt werden. Jedenfalls hat man die Zeit genutzt, in der die Pforten des Wittnerhofs geschlossen blieben und den Backstage-Bereich erneuert. „Auf die Besucher und Künstler wartet ein neuer Bühnenbereich und eine neue Lichttechnik“, so Wittner.

Nur ein mondänes Schulterzucken hat Michael Petschka vom Hotel-Restaurant „Joseph“ in Bruckneudorf derzeit übrig. „Mir geht langsam der Schmäh aus“, gibt der Co-Geschäftsführer und Gastro-Chef zu. Zwei Monate nachdem das Lokal im vergangenen September eröffnete, hieß es zusperren. „Wir sind frustriert und fühlen uns auf dem Abstellgleis“, klagt Petschka, „aber wir wollen uns damit nicht zufriedengeben.“

Vergangene Woche wurde bei einem Meeting mit den Gesellschaftern eine neue Idee geboren. Ab sofort werden „Joseph-Boxen“ zum Fertigkochen zu Hause angeboten: Ein Saibling samt Gemüse, Buttererdäpfel und Würze, sowie ein Steak inklusive Beilagen und Saucen. Mit der beigelegten Kochanleitung sind die vakuumierten Gourmet-Speisen in 20 Minuten fertig. Ab März werden auch „Brunch-Boxen“ für ein exquisites Frühstück angeboten. „Wir wollen gerne was tun und klammern uns an jeden Strohhalm“, versucht Petschka Optimismus zu verbreiten. Aber aus den „Zukunftssorgen wurden mittlerweile Zukunftsängste“.

Die Branche braucht eine Perspektive

Im Schwechater Restaurant Felmayer ist man nach wie vor hoch motiviert. Chef Thomas Aschenbrenner meint aber auch: „Spätestens mit der warmen Frühjahrszeit muss es wieder beginnen, sonst wird es betriebswirtschaftlich und auch motivationstechnisch nicht mehr machbar.“ Neben dem etablierten Abhol-Service werden mittlerweile auch Zustellungen organisiert.

„Wir können nicht sagen damit positiv gewirtschaftet zu haben, jedoch können wir einen Teil der gesamten Kosten selber bezahlen, wir können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen und diese auch den Kontakt zu unseren Gästen halten.“ In Summe brauche es aus Aschenbrenners Sicht vor allem eins: „Perspektivität, denn die permanente nicht Planbarkeit ist zermürbend.“

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