Schicksalstag für Ortschef Herbert Mihaly

Erstellt am 26. Januar 2022 | 05:46
Lesezeit: 5 Min
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Foto: Otto Havelka
Am Sonntag stellen sich die ÖVP als einzige etablierte Partei und drei Bürgerlisten der Gemeinderatswahl in Au. Ziel der Opposition ist, Bürgermeister Herbert Mihaly zu entthronen.
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Unter den knapp 1.000 Bewohnern des Ortes macht sich allmählich Spannung breit. Drei Bürgerlisten und die ÖVP rittern am kommenden Sonntag um 15 Gemeinderatssitze inklusive dem Amt des Bürgermeisters.

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„Au bewegt uns“ startete im Jänner eine Bürgerbefragung.
Foto: Otto Havelka

Die Neuwahl wurde notwendig, nachdem die Oppositionsparteien ÖVP und SPÖ im Herbst aus dem Gemeinderat auszogen. Bis dahin stellte das Zukunftsbündnis Mihaly (ZuM) mit Herbert Mihaly den Bürgermeister und verfügte über acht Sitze im Gemeinderat, die ÖVP über sechs und die SPÖ über einen. 

Unterm Strich steht der Wahlkampf unter dem Motto „Alle gegen Einen“. Denn das deklarierte Ziel der ÖVP sowie der beiden neuen Bürgerlisten „Aurer Bürgerliste“ und „Au bewegt uns“ ist, Bürgermeister Herbert Mihaly zu entthronen. Sie werfen ihm unisono Misswirtschaft, Alleingänge und Kommunikationsverweigerung vor.

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Die „Aurer Bürgerliste“ setzt auf Zusammenarbeit.
Foto: Otto Havelka

Mihaly wiederum kritisierte kürzlich in einer Aussendung, die Opposition habe mit ihrem Auszug aus dem Gemeinderat „die Gemeinde im Stich gelassen“.

Gedeihlich war die Zusammenarbeit im Gemeinderat im vergangenen Jahr jedenfalls nicht. Sitzungen wurden boykottiert und wenn sie stattfanden, standen Schreiduelle auf der Tagesordnung. Rekordverdächtig war eine Gemeinderatssitzung im Frühjahr, die bis zur Morgendämmerung dauerte, ehe sie unterbrochen wurde ( die NÖN berichtete ).

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ZuM-Spitzenkandidat Bürgermeister Herbert Mihaly
Foto: Otto Havelka

Vor der Wahl bringen sich die Fraktionen nun in Stellung:

Bürgermeister Herbert Mihaly, der zumindest bis eine Woche vor der Wahl auf Plakate verzichtete und sich mit Aussendungen an die Bürger begnügte, geht wiederum als ZuM-Spitzenkandidat ins Rennen. Er macht die Opposition für den „Stillstand in der Gemeinde“ verantwortlich.

Er beteuert in seinen Schreiben, dass „die Forderungen der Opposition bezüglich Feuerwehrhaus, Milchhaus, Freibad, etc. vollkommen nachvollziehbar“ seien, aber „nur eines nach dem anderen“ umgesetzt werden könne. Für ein Statement gegenüber der NÖN war Mihaly aber nicht erreichbar.

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ÖVP-Bürgermeisterkandidatin Reka Fekete
Foto: Otto Havelka

Die ÖVP, die mit Reka Fekete erstmals eine Frau als Bürgermeisterkandidatin nominierte, will sich in erster Linie „um unerledigte Anliegen der Bürger kümmern“, so Fekete.

So warten etwa einige Auer seit rund einem Jahr auf einen Kaufvertrag für ihr Grundstück und im Kindergarten herrscht akute Platznot. Zum Freibad, das seit zwei Jahren geschlossen ist und und deshalb im Vorjahr für große Diskussionen sorgte, sagt sie, dass es erhalten werden solle, man sich aber zuerst „einen Überblick verschaffen muss, was machbar und realistisch ist.“

Betreffend einem Neubau des Feuerwehrhauses, der laut Mihaly rund 1,8 Millionen Euro kosten würde, gebe es „derzeit keinen Leidensdruck“. Zuerst müsse aufgearbeitet werden, was in den vergangenen zwei Jahren liegen geblieben sei.

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Die ÖVP wirbt mit einem kompetenten Team um Stimmen.
Foto: Otto Havelka

Mit großem Interesse verfolgt auch die ÖVP-Landespartei den Wahlkampf in Au. Mittlerweile ist die ÖVP die einzige angestammte Partei, die gegen drei Bürgerlisten antritt. Für Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner zählt aber „nicht die Überschrift, sondern der Inhalt“. Er betont, dass für die Landespartei jede einzelne Gemeindewahl wichtig sei.

„Ein besonderes Anliegen in und für Au ist es uns natürlich, dass endlich wieder etwas weitergeht für die Gemeinde und wieder gearbeitet werden kann.“ Bürgermeister Herbert Mihaly, der seinerzeit ja für die ÖVP angetreten ist und lange Zeit selbst als Bürgerlisten-Chef noch Mitglied der ÖVP war, sei dies mittlerweile nicht mehr, wie Ebner betont: „Herbert Mihaly ist kein Kandidat von uns und auch kein Mitglied – und bekommt auch keinerlei Unterstützung seitens der Volkspartei Niederösterreich.“

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Andrea Weinkum führt die „Aurer Bürgerliste“ an.
Foto: Otto Havelka

Neue Bürgerlisten für Zusammenarbeit

Auch die „Aurer Bürgerliste“ tritt mit einer Spitzenkandidatin an. Andrea Weinkum saß ebenso wie Vizebürgermeister Heinz Mayer bis zum Herbst für die ZuM-Fraktion im Gemeinderat, ehe die beiden ihre Mandate zurücklegten und die Liste ZuM verließen.

Auch sie sieht als dringlichste Aufgabe, „aufzuarbeiten, was liegen geblieben ist und sich mit den anderen Fraktionen zusammenzusetzen“. Zum Thema „Freibad“ nimmt sie eine differenzierte Position ein: Sie plädiert dafür, eine vergrößerte Kantine nicht nur in den Sommermonaten zu verpachten und das Badgelände auch als Raum für Freizeitgestaltung zu nutzen.

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Rudolf Wiesinger ist Spitzenkandidat der Liste „Au bewegt uns“
Foto: Otto Havelka

Als vierte Gruppierung stellt sich die Bürgerliste „Au bewegt uns“ der Wahl. Spitzenkandidat ist der bisherige SPÖ-Gemeinderat Rudolf Wiesinger. Er hatte im vergangenen Jahr Bürgermeister Mihaly mit zahlreichen Aufsichtsbeschwerden eingedeckt und publikumswirksam Initiativen wie etwa zur Wiederbelebung des Freibads gestartet.

Er startete darüber hinaus zu Jahresbeginn eine Bürgerbefragung, deren Ergebnisse nach der Wahl vorgelegt werden und als Leitfaden für die Arbeit des neuen Gemeinderates dienen sollen. Fix ist für Wiesinger jedenfalls, dass das marode Freibad „prompt neu renoviert“ werden soll.

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