Bezirk Bruck/Leitha: Heute sieht man schon Vorteile. Am Anfang war keine Gemeinde glücklich darüber, mit der Zeit wuchs aber die Kooperation.

Von Otto Havelka. Erstellt am 21. April 2021 (04:45)
Der erste Himberger Gemeinderat nach der Zusammenlegung unter SPÖ-Bürgermeister Rudolf Wieser.
Topothek Himberg, Topothek Himberg

Als „magische Linie“ bezeichnet Trautmannsdorfs Bürgermeister Johann Laa (ÖVP) die Landesstraße B10. Trautmannsdorf und Sarasdorf, die sich bereits 1968 freiwillig zu einer Gemeinde zusammengeschlossen haben, auf der einen Seite, Gallbrunn und Stixneusiedl, die seit 1971 zu der Gemeinde Trautmannsdorf gehören, auf der anderen Seite. „Es wurde immer gesagt: Die drüber der Bundesstraße und die herüben“, erzählt Laa.

Ursprünglich war geplant, dass sich auch Gallbrunn und Stixneusiedl freiwillig zusammenschließen. Die Gemeinden wurden sich allerdings nicht einig, sodass sie in die Gemeinde Trautmannsdorf eingegliedert wurden, so Laa. Von allen wurde diese Entscheidung jedoch nicht begrüßt, erinnert sich Andreas Maurer, Alt-Bürgermeister (ÖVP) und Sohn des damaligen Landeshauptmanns, der die Zusammenlegung auf Schiene gebracht hatte. Mit Johann Bregartbauer hatte Gallbrunn einen SPÖ-Bürgermeister. „Es war damals anzunehmen, dass nach der Wahl der Bürgermeister von der ÖVP sein wird“, erklärt er den Widerstand.

Bei der ersten Gemeinderatswahl nach der Zusammenlegung gingen zehn von 19 Mandaten an die ÖVP. Im Laufe der Zeit habe sich die Zusammenarbeit allerdings gut eingespielt. „Probleme gab es keine, Meinungsverschiedenheiten kamen aber schon auch vor“, lässt Maurer wissen. Bei der Zusammenlegung war er bereits im Gemeinderat, ab 1986 war er zudem 21 Jahre lang Bürgermeister. Auch Laa spricht von einem guten Arbeitsverhältnis auf politischer Ebene. „Die Kommunikation passt und die Zusammenarbeit funktioniert“, sagt er. Im politischen Betrieb sei die „magische Linie“ B10 nicht mehr erkennbar.

Scharndorfs Bürgermeister Leopold Zwickelstorfer (ÖVP) sieht die Zusammenlegung von Regelsbrunn, Scharndorf und Wildungsmauer als richtigen Schritt: „Wir sind größer und haben mehr Kapazität in der Verwaltung, das könnten kleinere Gemeinden sich so nicht mehr leisten.“ Ein Gemeindeamt mit drei Mitarbeitern könne etwa viel länger offenhalten als früher die kleinen Gemeindestuben mit einer Teilzeitkraft. Anfangs war die Zusammenlegung allerdings abgelehnt worden.

„Wir waren alle nicht glücklich, und jeder fragte sich, wird das gutgehen“, berichtet Hubert Zwickelstorfer, ehemaliger langjähriger Bürgermeister von Scharndorf (ÖVP), der damals junger Scharndorfer Gemeinderat war. „Es ist wesentlich dem damaligen Bürgermeister Franz Lukesch zu verdanken, dass die Gemeinden zusammengeführt worden sind.“

Infrastruktur als großer Vorteil

Lukesch hätte für alle das Beste herausgeholt. „Es war aber notwendig, jede einzelne Gemeinde wäre zu klein und wirtschaftlich nicht in der Lage gewesen, die heutigen Aufgaben zu bewältigen“.

„Ein richtiger und zukunftsweisender Schritt“, kommentiert Prellenkirchens Bürgermeister Johann Köck (ÖVP) die Zusammenlegung von Prellenkirchen, Deutsch Haslau und Schönabrunn. „Die gemeinsame Infrastruktur bietet große Vorteile, wir achten aber darauf, dass die Katastralgemeinden bei den Einrichtungen nicht zu kurz kommen.“ Die Anfänge seien aber nicht einfach gewesen. „Es war ein harter Schnitt, die Selbstständigkeit aufzugeben, aber es hat funktioniert“, sagt Johann Dietrich, ehemaliger Amtsleiter und damals „von der Stunde Null an dabei“. Die Großgemeinde hätte sich dann erst entwickelt: „Kanalisierung, Straßenbau, oder der erste Kindergarten in Prellenkirchen, das wurde erst nach der Zusammenlegung auf die Beine gestellt.“

Kontrastreich verlief die Zusammenlegung in Himberg. Während sich Velm freiwillig Himberg angliederte, probte das damals rund 300 Einwohner zählende Pellendorf den Aufstand. Eine Volksbefragung brachte ein klares Votum gegen die Eingliederung. Geholfen hat’s nicht. Am 16. Dezember 1971 beschloss der Gemeinderat einstimmig, „wegen der voraussichtlichen Aussichtslosigkeit und den entstehenden hohen Kosten“ auf eine Anfechtung beim Verfassungsgerichtshof zu verzichten.

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