Strafrichter nahm sich Burschen zur Brust. Helfer waren nicht strafmündig, so musste 14-Jähriger allein den Kopf für den Diebstahlsversuch hinhalten. Schelte gab es für alle.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 04. Dezember 2018 (16:47)
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Gericht Symbolbild
APA (Symbolbild)

„Das ist uns so eing‘fallen, als wir am Bahnhof Gramatneusiedl ankamen und das Moped sahen“, erzählte der 14-Jährige Brucker sichtlich eingeschüchtert vom Richter und Staatsanwalt im Talar, und er beteuerte: „Das war einfach eine dumme Aktion, nur ein Spaß.“ Dann schilderte er: „Wir wollten nur a bissl fahren und das Moped dann wieder zurückstellen. Dazu kam es aber gar nicht, weil wir dabei erwischt wurden, als wir das Spiralenschloss knacken wollten.“

„Sie wissen, warum Sie als einziger der Burschenrunde angeklagt wurden?“, fragte Richter Rainer Klebermaß den Schüler und nach dessen Gestammel erklärte er ihm: „Ihre Freunde waren noch nicht strafmündig. Sie hingegen schon.“ Auch bei der Staatsanwaltschaft sei der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt mehr. „Deshalb gab es diesmal eine Anklage und jetzt sitzen Sie hier. Ich hoffe, Sie haben nachgedacht und erkannt, wie wichtig ein guter Schulabschluss ist“, sprach der Richter die Schulschwänzerei des 14-Jährigen an. Der versprach Besserung mit gesenktem Haupt. Die Köpfe ließen auch seine Freunde als vorgeladene Zeugen nach der harschen Gardinenpredigt des Richters hängen. „Sie haben alle Mist gebaut. Ich warne Euch, an fremdem Eigentum vergreift man sich nicht“, wetterte der Richter. Dem reumütigen Schüler gewährte er eine Diversion: Der 14-Jährige muss 25 Sozialstunden erbringen.