Gefangenenlager als „Wende zum Guten“. Adolf Kinder besuchte als 90-Jähriger das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag XVII A.

Von Otto Havelka. Erstellt am 05. Juli 2019 (04:34)
privat
AdolfKinder vor dem ehemaligen Gefangenenlager in Kaisersteinbruch:Für ihn war die Inhaftierung „eine Wende zum Guten“. privat

Es war ein in vieler Hinsicht ungewöhnlicher Besuch im ehemaligen NS-Kriegsgefangenenlager. Vergangene Woche reiste der 90-jährige gebürtige Serbe mit österreichischer und französischer Staatsbürgerschaft, Adolf Kinder, nach Kaisersteinbruch, um noch einmal den Ort seiner Gefangenschaft zu besuchen.

Dabei war er gar nicht im NS-Lager inhaftiert, sondern erst ab Juli 1945, als die Russen hier Gefangene nach der Vertreibung der „Volksdeutschen“ unterbrachten. – Für Adolf Kinder war es „die Wende zum Guten“. Nach einigen Monaten erhielt er einen „Passierschein“ und reiste nach Frankreich aus.

Erfahrungen und Erlebnisse in Tagebüchern beschrieben

Danach verlief sein Leben abenteuer- und facettenreich: Im Rahmen von humanitären Projekten verbrachte er 17 Jahre in Afrika, wo auch seine zwei Kinder geboren wurden. Zuletzt beteiligte er sich an Hilfsaktionen in Sarajevo.

Kinder hat seine Erfahrungen und Erlebnisse als Gefangener in Kaisersteinbruch und bei seiner Ausreise nach Frankreich in privaten Tagebüchern penibel beschrieben.

Bei einem Mittagessen mit Bruckneudorfs SP-Bürgermeister Gerhard Dreiszker versprach er, seine Aufzeichnungen um persönliche Anmerkungen zu erweitern und sie dann als Dokumentation an die Gemeinde zu schicken.