Wechsel im Weinbauverein: „War der richtige Zeitpunkt“

40 Jahre lang war Franz Netzl Obmann des Weinbauvereins Göttlesbrunn. Nun übergab er an Winzer und Heurigenwirt Markus Lager.

Erstellt am 08. September 2021 | 05:47

„Eventuell hätte das schon 10 Jahre früher passieren sollen“, scherzt Franz Netzl am Samstag, als ihn die NÖN zum Interview anlässlich des Endes einer Ära lud. Netzl war nämlich 40 Jahre lang Obmann des Weinbauvereins Göttlesbrunn. Vor kurzem, anlässlich seines 60. Geburtstags heuer - hat er an die nächste Generation übergeben.

„Alle 23 Weingüter haben Nachwuchs. Die nächste Generation hat übernommen. Es war also Zeit, auch den Weinbauverein in junge Hände zu legen“, so Netzl.

Weinbau- und Kellermeister Markus Lager, der 2020 den Betrieb seines Vaters Ernst Lager übernommen hat, ist jetzt der neue an der Spitze der Weingüter und Heurigenbetriebe in Göttlesbrunn.

Es war eine tolle Zeit und wir haben viel entwickelt und umgesetzt.“ Franz Netzl

Mit drei Hektar Weingarten und einem gemischt landwirtschaftlichen Betrieb hat Franz Netzl in seinen jungen Jahren begonnen. Aktuell beaufsichtigt er den Neubau einer Halle für die Abfüllung und Traubenübernahme des mittlerweile 30 Hektar großen Weinguts. Den Großteil des Betriebs – vor allem die Vermarktung – hat er bereits seiner ältesten Tochter Christina übergeben. „Solange ich fit bin, bleibe ich dem Bodentrupp aber erhalten und arbeite im Weingarten mit“, so Netzl, dem als fünffacher Opa laut eigenen Angaben ganz sicher nie langweilig wird.

Die Arbeit im Weinbauverein mochte er genauso wie die Arbeit im Weingarten: „Wir sind kein Hobbyverein. Bei unserem Engagement geht es auch immer um wirtschaftliche Interessen. Es ist harte Arbeit, die Qualität unserer Weingüter zu präsentieren, alle zusammenzuhalten, immer wieder neue Veranstaltungsreihen und Ideen zu kreieren. Letztendlich war es zum Glück aber ein großes Miteinander. War Not am Mann, reichte immer eine SMS und man half zusammen“, so der Göttlesbrunner, der auch nach wie vor Vize-Präsident der Rubin Carnuntum Weingüter ist.

„Carnuntum Experience“ mit hochwertigem Programm

Als Beispiel für ebensolche Arbeit führt er die beliebte, aber mittlerweile eingestellte, Veranstaltungsreihe „Carnuntum Experience“ an: „Das war ein gelebtes Inserat. Der ganze Sommer war dicht verplant. Wir haben gearbeitet, um den BesucherInnen ein qualitativ hochwertiges Programm zu bieten. Gewinn haben wir damit keinen gemacht. Aber die Bekanntheit, die wir dadurch erreicht haben, war enorm“, so Netzl.

40 Faschingdienstagsverkostungen, 24 Leopoldigänge und 24 Mal Jungweinschnuppern hat Franz Netzl geleitet, unter seiner Führung wurde auch die Ortseinfahrt zweimal künstlerisch gestaltet und die Gestaltung des Kreisverkehrs Göttlesbrunn geht ebenfalls auf seine Kappe.

Sein letztes Projekt war die Kennzeichnung der Göttlesbrunner Rieden durch kunstvoll gestaltete Steine. Steinmetz Horst Pimpel kreiert dafür die Kunstwerke. „Dieses Projekt ist zeitlos und kann weitergeführt werden. Wobei mir eines immer wichtig war und ist: Die nächste Generation soll sich an neuen Ideen und Projekten versuchen und niemals das Gefühl haben, sie müssten was weiterführen, weil es die Alten begonnen haben“, so der Jubilar.

„Ich war gerne Obmann. Es war eine tolle Zeit und wir haben viel entwickelt und umgesetzt. Markus Lager und die anderen jungen Winzer und Winzerinnen werden das mindestens genauso gut machen. Davon bin ich überzeugt“, betont Netzl.

Markus Lager hat jedenfalls Respekt vor Netzls 40 erfolgreichen Jahren als Weinbauvereinsobmann. „Ich freue mich über das Vertrauen, sein Erbe antreten und die Zukunft gestalten zu dürfen“, so der neue Obmann.