Ehestreit auf dem Rücken der Kinder. Freispruch für einen Vater aus Hainburg, der sein Kind geschlagen haben soll. Schöffensenat konnte Vorwürfe nicht eindeutig nachvollziehen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 19. März 2021 (03:31)
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Bei einem Schachspiel wäre es ein Remis gewesen, juristisch aber war die Verhandlung vor dem Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg gegen einen Vater, der seinen jetzt neunjährigen Sohn geschlagen haben soll, „ein klassischer Fall der Zweifel-Regel“, wie der vorsitzende Richter, Manfred Hohenecker, am Ende des Prozesses feststellte. Die Vorwürfe gegen den 42-jährigen Vater waren laut der Anklage von Staatsanwalt Matthias Neunteufel jedenfalls erheblich: Seit Mitte 2017 soll der Mann den Buben immer wieder sowohl mit der Hand, als auch mit einem Schuh geschlagen haben; darüber hinaus soll er ihm als Strafe seine verkotete Unterhose ins Gesicht geschmiert haben.

„Das habe ich nicht getan“, widersprach der Beschuldigte. Er gab zu, dass er in der Stresssituation des ersten Lockdowns seinem Sohn zwei oder drei Mal einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben hat. Die verschmutzte Unterhose sei eine Folge davon gewesen, dass der Bub immer so lange Play-Station spiele, und auch da gab er zu, dass er sie ihm vor die Nase gehalten hätte, aber nicht mehr. Diese Version bestätigte auch die älterer Schwester des Buben, die seit der Scheidung der Eltern im Dezember 2019 beim Vater lebt.

Sehr behutsam – und nur über Videoübertragung zugespielt – befragte Richter Hohenecker den Neunjährigen. Dieser schilderte, dass der „Papa“ ihn täglich geschlagen habe. Für jeden Fehler bei den Hausaufgaben habe er einen Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf bekommen. Ohne merkbare Emotionen schilderte das Kind die vorgebliche Situation. Ob er glaube, dass es dem Papa gefallen würde, wenn er bei ihm wohnen würde, fragte Hohenecker. Worauf der Junge mit „Ja“ antwortete, weil der Papa auf das Kindergeld aus wäre und ihn dann einer „Hirnwäsche“ unterziehen könnte.

Die Ex-Frau, bei der der Sohn jetzt lebt, schilderte den 42-Jährigen ebenfalls als Tyrannen, der auch sie bedrängt und geschlagen habe. Abgesehen von manchen Widersprüchen zu den Tatzeiten, hinterfragte Verteidigerin Andrea Strodl den zeitlichen Ablauf. So wurde die Scheidung zwar im Dezember 2019 rechtskräftig, ausgezogen ist die Ex-Frau mit dem Buben allerdings erst im August 2020. Und die Anzeige, die zu dieser Verhandlung führte, erfolgte erst am 2. November 2020.

Somit hatte es der Schöffensenat mit den Aussagepaketen Mutter und Sohn sowie Vater und Tochter zu tun und war bei der Abwägung nicht zu beneiden. Nach äußerst kurzer Beratung wurde der 42-Jährige freigesprochen. „Es ist beides möglich“, so der Richter bei der Begründung, aber vor allem die acht Monate, die nach der Scheidung bis zum Auszug vergangen sind, waren für die Schöffen nicht nachvollziehbar, wenn die Übergriffe tatsächlich so massiv waren. Zurück bleibt eine zerrüttete Familie mit zwei traumatisierten Kindern.