Interessante Diskussionen bei Nationalpark-Forum. Bedeutung, Forschung und Schutz des heimischen Waldes wurden in der Kulturfabrik diskutiert.

Von Josef Rittler. Erstellt am 29. November 2019 (06:23)
Im Bild v.l.: Manfred Rosenberger,Alexander Faltejsek, Gerald Oitzinger, Helmut Schmid, Edith Klauser,Norbert Teufelbauer, Roman Nowak.
Kovacs

Dem Lebensraum Baum, seiner Bedeutung, der aktuellen Forschung und seinem Schutz war das Nationalpark-Forum am Donnerstag in der Kulturfabrik gewidmet.

Zentrale Aussage der Informationsveranstaltung: Bäume sind zugleich Lebewesen und Lebensraum. Eine Fülle an Organismen nutzt den Baum in seinen unterschiedlichen Altersstufen, vom Wurzelraum bis zum Blätterdach, von Pilzen und Flechten über zahllose Insektenarten und Vögel bis zu Fledermäusen, Mardern und weiteren Säugetieren wie dem possierlichen Eichhörnchen. Im Nationalpark Donau-Auen können die Bäume, anders als im Wirtschaftsforst, natürlich altern und langsam absterben. Das Totholz erfüllt im Nationalpark ebenfalls eine wichtige Funktion als Unterschlupf und Nahrungsquelle.

Wie soll Sicherheit der Wege gewahrt werden?

Alte Bäume nahe der Wanderrouten führen jedoch zu Problemen: Wie soll die Sicherheit der Wege gewährleistet werden, wie kann eine Balance zwischen Verkehrssicherheit und Naturschutz erreicht werden?

Nationalparkdirektorin Edith Klauser erläuterte in einer einführenden Präsentation die vielfältigen Funktionen von Wäldern als Ökosysteme, als Erholungsräume und Orte für Umweltbildung. Sichere Wege stünden mitunter einem unverfälschten Naturerlebnis entgegen. Dies war bereits in einem Fachsymposium Ende Oktober in der Kulturfabrik diskutiert worden. Baumexperten und Juristen, darunter Justizminister Clemens Jabloner, berieten intensiv, wie für die Wegehalter Klarheit zur Baumhaftung erreicht werden kann. „Ein möglicher Lösungsansatz für die spezielle Situation in den Nationalparks kann sein, Wege entsprechend auszuschildern“, sagte Klauser. Neben Routen, an welchen weiterhin Sicherungsmaßnahmen gesetzt werden, könnte es zukünftig speziell ausgeschilderte Wildniswege geben, die nur mit erhöhter Vorsicht zu benutzen wären.

Um dem Publikum die Vielfalt der Bäume im Nationalpark näherzubringen, wird eine Gästebroschüre aufgelegt. Darin berichtet der Baumsachverständige Roman Nowak von seinen Untersuchungen an alten Bäumen entlang eines Wegeabschnittes in der Orther Au. Demnach bieten Strukturen wie Rindenrisse, Faulstellen, Astlöcher und Höhlen zahlreichen Organismen geeigneten Lebensraum. Alternde Eichen seien besonders artenreich. Besonders der Specht ist auf alte Bäume und Totholz angewiesen, wie Vogelexperte Norbert Teufelbauer (BirdLife) erklärte. Da aufgegebene Spechthöhlen von vielen Tiergruppen nachgenutzt würden, steigere eine gesunde Spechtpopulation die gesamte Biodiversität in den Wäldern.