Konzert: Chanson-Abend sorgt für Rekordbesuch. Timna Brauer und das Elias Meiri Ensemble servierten französische Chansons mit Jazz- und Kammermusik-Einschlag.

Von Otto Havelka. Erstellt am 23. Februar 2018 (04:26)
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Michael Croitoru-Weissman, Elias Meiri und Timna Brauer begeisterten mit ihrem Chanson-Konzert in der Kulturfabrik.
Havelka

Die neue Konzert-Saison begann für die Haydngesellschaft mit Sesselschleppen. Der Publikumsandrang zum „La Chanson“-Abend mit Timna Brauer und dem Elias Meiri Ensemble am vergangenen Samstag in der Kulturfabrik war so groß, dass noch schnell Stühle aus der nahen Haydn-Bibliothek organisiert werden mussten.

Was das Publikum zu hören bekam, war im ersten Teil eine Hommage an den französischen Dichter und Chansonnier Georges Brassens. Der poetische Autodidakt verpackte seine Sozialkritik oft in skurrile Geschichten.

So erreichte er mit seinem – auch von Brauer vorgetragenen – Lied „Les amoureux des bancs publics“ (Die Verliebten auf den Parkbänken) die Aufhebung des Verbots, sich öffentlich zu küssen. Teil zwei bildete ein Potpourri aus französischen Chansons und eigenen Songs von Timna Brauer.

Konzertabend passte nicht in die Schublade der Chanson-Klischees

In Summe passte der Konzertabend zumindest nicht in die Schublade der Chanson-Klischees von aufwühlenden Emotionen in rauchiger Atmosphäre.

Mit dem Jazz-erprobten Pianisten und Arrangeur Elias Meiri und dem Kammermusik-erfahrenen Cellisten Michael Croitoru-Weissman gerieten auch die Chansons zu einer Kunstform, die eher im Konzerthaus als im Cabaret-Etablissement gut aufgehoben ist.

Meiris Klavier-Variationen des Edith Piaf-Songs „La vie en rose“ erinnerten bisweilen auch mehr an den Jazz-Pianisten Keith Jarrett als an die inbrünstige Hymne an die Liebe von Piaf.

Timna Brauer ist in dem künstlerisch hochstilisierten Programm nicht nur dank ihrer Stimme und ihrer Einfühlsamkeit eine gute Chanson-Interpretin. Als Studentin der Musikwissenschaft an der Pariser Sorbonne und Absolventin von Meisterkursen für Jazzgesang und Komposition verbrachte sie viele Jahre in Paris und hat daher auch eine „besondere Beziehung zur französischen Sprache“.