Kulturaustausch: Ural trifft die Alpen. Die Hainburger Autorenrunde begrüßte Kollegen aus Russland zu einer gemeinsamen Lesung, einer Vernissage und einem Puppenworkshop in der Haydnbibliothek.

Von Josef Rittler. Erstellt am 20. November 2017 (22:09)
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Autorenrunde Hainburg
privat

Am Ende des „österreichisch-russischen Tourismusjahres 2017“ kam es auch in der östlichsten Stadt Österreichs zum Kontinente-übergreifenden Kulturaustausch. Die Hainburger Autorenrunde lud zu einer Vernissage und zweisprachigen Lesung in die Haydn-Bibliothek. Viel Arbeit für die beiden Organisatoren und Moderatoren des Abends, Erwin Matl von der Autorenrunde sowie der Dolmetscherin Olga Murzina aus dem Ural. Das Thema „Das Uralgebirge und die Alpen“ wurde im Bewusstsein gewählt, dass beide Gebirgsketten nicht nur bedeutend für das jeweilige Landes sind, sondern dass die Gestalt eines hohen Gebirges auch Symbol für Höhen und Tiefen jedes menschlichen Lebens und Miteinanders ist.

Matl wies darauf hin, dass es geophysikalischen Erkenntnissen zufolge schon vor 4.000 Jahren trotz 4.000 Kilometer Entfernung kulturelle Kontakte zwischen Mitteleuropa (Südwestslowakei) und dem Ural gegeben hat (Sintaschta-Kultur). Für den uralischen Kulturkontakt der Gegenwart sorgte die Nishnij Tagiler Dichterin Galina mit ihren Gedichten über den Ural, dem uralischen Winter (den es eigentlich das ganze Jahr geben kann) sowie über die Kulturoffenheit ihrer Stadt. Gertrud Hauck gab mit ihrer Lyrik „Der Strom“ einen Überblick über den Lauf der Donau, der jedoch auch symbolisch eine Hoffnung auf Gemeinsames, Menschenwürde und Frieden setzte. Olga Murzina wies anschließend darauf hin, dass Menschen aller Länder immer vom Frieden und vom Abbau von Grenzen geträumt haben und zitierte aus einem Lied über die Donau aus alten Zeiten der Sowjetunion.

Die Begegnung mit dem Wolf

Über die Begegnung mit dem Wolf berichtete Gertrude Hubeny-Hermann, der Zeit Hannibals Alpenüberquerung mit Elefanten gedachte Helene Levar, Margarete Fugger beschrieb mit der Birke einen Baum der in beiden Regionen einen hohen Stellenwert hat und Erika Lugschitz betrachtete den Baum als „Baum des Lebens“.

Nach dem spontanen Lyrik-Vortrag zweier Gäste, dem Moskauer Victor Klykov und dem niederösterreichischen Heimatdichter Günther Artner, brachte Leopold Hnidek seine Erzählung „Aus der Sonne“, die in eindrucksvoller Art Österreich, Russland und die Welt verbindet.

Zwei Autoren schrieben einen Text zu einem ausgestellten Bild: Johann Friedrich zu „Flatterhafte Gipfelbetrachtung“ von Christian Einfalt, Erwin Matl zu „Haus im Wald“ von Diana Romashchenko. Die uralische Fotografin und Journalistin Margarita Murzina zeigte in einer Slideshow ihre ausdrucksstarken Fotos über „Menschen aus ihrer Heimat“. Jeff Seczer sorgte mit seiner Gitarre für eine ideale musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

Neben Hainburgs Vizebürgermeisterin Silvia Zeisel zeigte sich auch der in Vertretung des Botschafters angereiste Botschaftsrat der russischen Föderation in Österreich, Herr Oleg Markov, von dem neu entstandenen Kulturkontakt der Regionen Oblast Swerdlowsk/Nishnij Tagil und Römerland Carnuntum/Hainburg sehr beeindruckt.

Ein Puppenworkshop am nächsten Tag rundete den Kultur-Austausch ab, der im kommenden Jahr im Ural seine Fortsetzung finden soll.

Die Ausstellung der Bilder von Christian Einfalt und Diana Romashchenko ist noch bis 15. Dezember in der Haydn-Bibliothek zu sehen.