„Missverständnisse“ um gestohlenes Rad

Erstellt am 30. Dezember 2021 | 04:57
Lesezeit: 3 Min
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Die zwei Angeklagten machten sich an einem Fahrrad zu schaffen. Die Richterin glaubte den beiden Frauen offensichtlich nicht, dass es sich lediglich um ein Missverständnis handelte.
Foto: Symbolfoto: Knotz
Zwei Frauen sollen in Hainburg versucht haben, ein Fahrad zu stehlen: 960 Euro Strafe.
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Wenn sich eine Richterin eine Tabelle und Chronologie der Aussagen der Angeklagten anfertigt, kann es sich um einen recht komplexen Sachverhalt handeln – oder um sehr viele widersprüchliche Aussagen zu unterschiedlichen Zeiten des Verfahrens derselben Personen. Zu diesem Mittel griff jedenfalls Richterin Monika Zbiral am Landesgericht Korneuburg, weil eine 45-jährige Tschechin und eine 55-jährige Slowakin derart viele Variationen der Vorfälle am 18. Mai dieses Jahres in einer Wohnhausanlage in Hainburg lieferten.

Das schützte Zbiral allerdings nicht davor, im Verfahren wieder neue Erklärungen und Einlassungen zu hören. Konkret ging es um den Vorwurf des versuchten Einbruchdiebstahls, den die beiden Frauen im „bewussten und gewollten Zusammenwirken“ begangen haben sollen. Die erwünschte Beute – ein Fahrrad. Und zwar eines, das im Radkeller der Anlage abgestellt und mit einem Namensschild gekennzeichnet war. „Das ist eine Verwechslung gewesen“, so die Einlassung der beiden.

Die Verwechslung bestünde darin, dass sich die 45-Jährige das Rad der Tochter der 55-Jährigen ausborgen wollte, aber das falsche erwischt habe. Sie habe es an dem Tag sehr eilig gehabt, in die Arbeit zu kommen. Offenbar so eilig, dass sie gar nicht mehr wusste, wann sie an diesem Tag denn zu arbeiten begonnen hätte. Auch, dass das eigentlich – nach Auskunft der Tochter – unversperrte Fahrrad mit einem Zahlenschloss versperrt war, irritierte die zwei wenig. Die 45-Jährige versuchte, das Schloss mit einer Zange aufzuzwicken.

Richterin: „Das Warum erschließt sich mir nicht“

Just als sie sich an dem Rad zu schaffen machten, sind die beiden von Nachbarn beobachtet worden. Und da kam dann ein anderes beliebtes Wort der Frauen ins Spiel: „Missverständnis.“ Die Nachbarn hätten das Geschehene falsch verstanden. Das Missverständnis ließ sich allerdings nicht vor dem Eintreffen der Polizei auflösen. Die durchgehend leugnende Verantwortung der zwei, ließ der Richterin aufgrund der Tatsachen nicht viel Spielraum.

Eine der Tatsachen war die Verwendung der Zange, genauso wie, dass das Rad nicht der Tochter gehörte und das Namensschild am Fahrrad manipuliert wurde, sodass sich neben dem Namen der eigentlichen Besitzerin auch der der Tochter darauf befand. „Das war kein sinnvolles Vorgehen“, befand Zbiral, „das Warum erschließt sich mir nicht.“ Aber das sei auch nicht ihre Aufgabe. Sie verurteilte die zwei Frauen zu jeweils 240 Tagessätzen á vier Euro oder 120 Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Die Frauen nahmen mit den Worten „Es ist nicht gerecht“, die ihnen zustehenden drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

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