Oberarzt Krieg: „Impfung ist unsere einzige Chance“. Der Hainburger Internist Johannes Krieg erklärt mit Internet-Videos alles über die Impfung gegen das Covid-19-Virus. Der Mediziner will sich selbst jedenfalls impfen lassen.

Von Josef Rittler. Erstellt am 16. Januar 2021 (04:12)
Der Mediziner Johannes Krieg möchte mit Online-Vorträgen zur Aufklärung über die Covid-Impfung beitragen.
Landesklinikum

Der Internist Johannes Krieg möchte mit Internet-Videos zur Aufklärung über die Covid-19-Impfung beitragen. Er ist Oberarzt am Landesklinikum Hainburg und leitet auch dessen Hygieneteam. Zu seinen Aufgaben gehört die Umsetzung aller Maßnahmen, die der Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Infektionen im Klinikum dienen. In seinen Vorträgen erklärt Krieg in auch für Laien verständlicher Weise, wie die Impfung wirkt und welche Bedeutung sie für die Gesundheit des Einzelnen und der Gesellschaft hat. Vorweg: Für den Mediziner ist Impfen der einzige Weg, die Krankheit zu überwinden. Im NÖN-Gespräch beantwortet Johannes Krieg die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung.

NÖN: Sie engagieren sich in der Aufklärung über die Corona-Impfung?

Johannes Krieg: Impfen ist unsere einzige Chance, die Pandemie wirksam zu bekämpfen. Kein Lockdown rettet uns mehr.

Was passiert eigentlich genau beim Impfen?

Krieg: Der körpereigenen Abwehr werden Bestandteile des Virus oder Informationen über das Virus präsentiert. Nach dem zweiten Mal impfen merkt sich der Körper diese Informationen, ist im Fall einer tatsächlichen Virusattacke gerüstet und kann somit das Virus abwehren.

Eines der Argumente der Impfgegner lautet, dass es sich bei den Impfstoffen gegen Corona um neu entwickelte Stoffe handelt, deren Auswirkungen zu wenig erforscht sind?

Krieg: So neu sind sie nicht, es wird seit 2012 geforscht und gegen einzelne Viren, die dem Coronavirus ähneln, gibt es auch Erfolge zu verzeichnen. Die Entwicklung eines Impfstoffes erfolgt in Phasen, in denen freiwillige Probanden geimpft werden, um die Wirkung zu testen. Der Corona-Impfstoff wurde an tausenden Freiwilligen getestet, so viele wie nie zuvor. Er hat daher ein hohes Sicherheitsprofil. 

Dennoch können Nebenwirkungen auftreten?

Krieg: Zu erwarten ist nach der zweiten Impfung eine lokale Reaktion, sprich Schmerzen im Oberarm. Bei etwa 3 bis 20 Prozent der Geimpften kann es zu Symptomen wie bei einer grippalen Infektion kommen. Bis jetzt wurden elf Millionen Menschen geimpft, in einigen Fällen kam es zu einer allergischen Reaktion, doch hatten diese Menschen alle eine bestehende schwere Allergie gegen Medikamente.

Es wurde auch vom Ableben alter Menschen berichtet, die zuvor geimpft worden waren. Kann hier ein Zusammenhang bestehen?

Krieg: Das Virus ist besonders für alte Menschen sehr gefährlich, eine Impfung daher sinnvoll. Bis auf die erwähnten Allergien wurden aber keine schweren Nebenwirkungen festgestellt. Ein Kausalzusammenhang ist auszuschließen. 

Werden Sie sich impfen lassen?

Krieg: Natürlich. Ich war im September an Corona erkrankt und bin daher die nächsten drei bis sechs Monate relativ immun. Wenn die Impfungen plangemäß verlaufen und ich an die Reihe komme, lasse ich mich sofort impfen.

Es besteht die Hoffnung, dass mit fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung die Maßnahmen gegen Corona gelockert werden oder ganz wegfallen können. Kann man damit rechnen?

Krieg: Auch bei einer Impfung ist eine geringe Viruslast möglich, eine Verbreitung also nicht ganz ausgeschlossen. Prinzipiell ist festzuhalten, dass die mRNA-Impfstoffe, die gegen Corona zum Einsatz kommen, effektiver sind als beispielsweise die Impfung gegen Hepatitis A und B, die im Übrigen etwa vor Antritt von Fernreisen ohne weiteres akzeptiert wird. Ab einer Durchimpfungsrate von 70 Prozent und mehr sollten dann Infektions- und Todesrate sinken. Anzustreben ist eine Impfquote von 95 Prozent. Bis dahin muss man die Gesamtsituation beachten: Mund-Nasen-Schutz und Abstand werden uns noch länger im Alltag begleiten. Aus medizinischer Sicht wird sich die Lage mit Schulbeginn im Herbst entspannen, in Teilbereichen könnte es aber durchaus länger dauern. 

Sie sind Oberarzt im Landesklinikum. Wie sieht es hier mit dem Impfen aus?

Krieg: Es wurden schon 160 Mitarbeiter geimpft, Nebenwirkungen sind keine bekannt. Die Impfmoral ist hoch, viele warten schon, bis sie sich impfen lassen können.