Tradition geht zu Ende: „Eckerl“ sperrt zu. Das „Café Eckerl“ schließt mit Ende Februar. Grund: Gäste bleiben aus. Ein Nachfolger ist noch keiner in Sicht.

Von Josef Rittler. Erstellt am 25. Februar 2018 (06:26)
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Gertrude Pointner hat nachgerechnet – und schließt.
Rittler

Mit Ende Februar schließt das Kaffeehaus „Café Eckerl“ in der Hainburger Innenstadt. Die Chefin Gertrude Pointner, 67 und seit 45 Jahren im Gastgewerbe tätig, sieht keine wirtschaftliche Zukunft für den Betrieb.

Somit geht eine Tradition zu Ende: Das Haus, in dem das Café etabliert ist, wurde im Jahr 1886 von Julius und Barbara Bilsky erworben und als Kaffeehaus im Familienbesitz bis 1974 geführt. In diesem Jahr wurde es von der Bauer OHG gemietet und bis 2001 weiterbetrieben. Dann wurde es von Gertrude Pointner übernommen.

"Ich musste viel investieren"

Die gelernte Einzelhandelskauffrau wechselte mit 24 Jahren ins Gastgewerbe. Zunächst war sie am Flughafen tätig, dann betrieb sie ein Catering-Service mit ihrem ersten Mann, „einem begnadeten Koch“. Weitere wichtige Stationen: Pointner arbeitete nach dem Tod ihres Mannes vierzehn Jahre in Hainburg im Gasthaus „Zu den drei Raben“ als Zahlkellnerin und erwarb dann die Konzession als Wirtin.

Nach einem Intermezzo in Kitzbühel unter anderem beim „Stanglwirt“ ließ sie sich in Deutschland zur Gesundheits- und Ernährungsberaterin ausbilden, kehrte dann aber nach Hainburg zurück, wo sie Chefin im „Café Eckerl“ wurde. „Ich musste viel investieren, um das Café wieder in Schwung zu bringen. Es gab auch gute Zeiten, aber schon vor Jahren musste ich die Zahl meiner Mitarbeiterinnen von vier auf zwei reduzieren.“

Ein Nachfolger, der den Betrieb fortführen könnte, hat sich bis jetzt nicht gefunden. Dies werde auch schwierig sein: „Die Frequenz in der Innenstadt ist nicht mehr so hoch wie früher. Viele Geschäfte sind ins Einkaufszentrum abgewandert, die Mieten in der Stadt sind zu hoch, außerdem gibt es wenig Parkmöglichkeiten, keine Tiefgarage, dafür aber Parkgebühren.“ Die Jugendlichen würden erst zu späterer Stunde fortgehen, wenn das Kaffeehaus schon geschlossen habe, die ältere Generation sei ins Ulrichs-heim an den Stadtrand ausgesiedelt worden und wenig mobil.