Vernissage: Ansichten von Flucht und neuer Heimat. In der Haydn-Bibliothek zeigt der junge syrische Fotograf Samer Amin unter dem Motto „Alles ist möglich“ seine Aufnahmen.

Von Josef Rittler. Erstellt am 24. August 2017 (04:49)
Rittler
V. l.: Margareta Pavlata, Ingrid Oth (Haydn-Bibliothek), Julia Neumair, Samer Amin, Margit Huber, Wolfgang Gangl und Renate Glaw.

Der junge syrische Fotograf Samer Amin präsentiert in der Haydn-Bibliothek eine Auswahl seiner Aufnahmen. Die Fotos zeigen Eindrücke aus seiner Heimat im Norden Syriens nahe der türkischen Grenze, von der Flucht über die Türkei nach Griechenland und Makedonien und weiter nach Österreich und Fotos aus der neuen Heimat. Die Ausstellung ist noch bis 30. September zu besichtigen.

Anlässlich der Vernissage am Freitag schilderte der im Jahr 1990 geborene Amin, wie er vor knapp zwei Jahren nach Europa aufgebrochen war. „Die Situation ist gefährlich geworden“, berichtet er, „ich stehe auf einer Liste des Militärs, wenn ich zurückkäme, würde ich verhaftet werden.“ Also machte er sich auf den Weg – zunächst in die Türkei. Seine Kamera begleitete ihn.

"Wir saßen auf einem Boot und wussten nicht wo wir waren"

„Ich habe zuhause mit dem Fotografieren begonnen, allerdings waren meine ersten Fotos nicht besonders gut. Meine Geschwister wollten sich nicht fotografieren lassen“, erzählt Amin. Doch er lernte rasch dazu, schon auf der Flucht gelangen ihm einige aussagekräftige Aufnahmen. Besonders gefährlich sei die Überfahrt von der Türkei auf die griechische Insel Samos gewesen. „Wir saßen vier Stunden in einem Boot und wussten nicht, wo wir waren. Ich dachte schon, meine Geschichte endet im Meer.“ Die griechische Küstenwache rettete ihn und seine Leidensgenossen.

Weiter ging der Weg nach Makedonien und Kroatien. „Es war oft sehr kalt, das Rote Kreuz hat uns Decken geschenkt.“ Zu essen hatten die Flüchtlinge wenig: „Wir haben oft tagelang nur von Brot und Salami gelebt.“ Schließlich kam Amin in Österreich an. Auch das hat er fotografisch dokumentiert. „Österreich ist wie ein Paradies“, meint Amin. Von Anfang an versuchte er, sich zu integrieren, lernte Deutsch und fand Freunde. Sein Asylverfahren wurde noch nicht eröffnet. „Die Behörde ist der Ansicht, dass das Verfahren in Kroatien abgewickelt werden soll“, erklärt Margit Huber, eine Unterstützerin. „Wir hoffen, dass er bleiben kann. Er hätte auch zwei Jobzusagen.“