Jäger im Clinch mit Biker. Zwei Jäger hielten zwei Motocross-Fahrer im Wald fest und müssen nun mit Anzeigen rechnen.

Von Otto Havelka. Erstellt am 15. März 2020 (05:52)
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Motocross Symbolbild
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Zu einem mysteriösen Zwischenfall mit noch nicht abschätzbaren Folgen kam es am Sonntagnachmittag vor einer Woche im Hofer Wald an der Grenze zu Au. Jagdleiter Werner Watzke wurde gegen 16.30 Uhr von einem Jagdkollegen angerufen, weil im Bereich der Auer Grenze Motocrossfahrer unbefugt im Revier unterwegs seien. „Aufgrund des Anrufes fuhr ich zur besagten Stelle und fand dort tatsächlichen ein rumänisches Fahrzeug mit Motocrossanhänger im Bereich des Holzlagerplatzes vor“, erzählte Watzke.

„Die beiden Herren waren bereits mit ihren Maschinen im Wald unterwegs.“ Aufgrund des Motorlärms sei aber eindeutig gewesen, „dass diese in unserem Waldrevier unbefugt unterwegs sind“, so Watzke. Gemeinsam mit dem Besitzer des Grundstückes, auf dem das Fahrzeug abgestellt war, wurde das Fahrzeug fotografiert und beschlossen, die Sache am nächsten Tag bei der Polizei anzuzeigen.

Über das, was danach passierte, gehen die Meinungen auseinander. Denn Watzke war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder auf dem Heimweg. Vonseiten der Jägerschaft liegt nur eine schriftliche Stellungnahme vor: Da der 1. März auch der erste Tag für die Schnepfenjagd war, „war auch unser gemeldeter und vereidigter Aufsichtsjäger mit einen Jagdgast in diesem Revierteil unterwegs“.

 Da muss man auch fragen, ob nicht die Jagdberechtigung zu entziehen ist.“ Günther Amelin, Polizeichef in Mannersdorf

 Genau zu diesem Zeitpunkt kamen offensichtlich die beiden Herren mit ihren Motocross-Maschinen aus dem Wald und wollten diese auf den Anhänger verladen. „Natürlich stellte unser Aufsichtsjäger die beiden Herren zur Rede, was sie hier unbefugt tun. Aber anstatt Ihr Vergehen einzusehen und sich zu entschuldigen, nahm einer der Herren eine Eisenstange und ging auf diesen los. Aus diesem Grund wurde die Polizei gerufen und der Herr bis zu deren Eintreffen angehalten“, heißt es in der Stellungnahme. Polizisten des Posten Mannersdorf hätten die beiden abgeführt und Anzeige erstattet.

Nach einer Rückfrage beim Mannersdorfer Polizeikommandanten Günther Amelin erscheint die Sache allerdings in einem etwas anderen Licht. Denn einer der beiden Motocrossfahrer trug eine Helmkamera und nahm den Konflikt mit den Jägern auf. Und da kommen die Weidmänner nicht sehr gut davon.

Zwar sind Aufsichtsjäger per Gesetz berechtigt, Personen auch festzunehmen. „Jemanden 15 Minuten auf den Boden zu halten, geht aber gar nicht“, ärgert sich Amelin. „Die Jäger können nicht jemanden attackieren. Das war ein bissl überzogen“, so Amelin. Über Details der Videoaufnahmen wollte er zwar keine Auskunft geben – „das Material muss erst ausgewertet werden, was wirklich passiert ist“. Sicher ist aber, dass nun auch die Jäger mit Anzeigen etwa wegen gefährlicher Drohung und Körperverletzung rechnen müssen. „Da muss man auch fragen, ob nicht die Jagdberechtigung zu entziehen ist“, warnt Amelin.

Vonseiten der Jägerschaft wollte man dazu keine Stellungnahme abgeben, zumal es sich um ein schwebendes Verfahren handle. Die Motocrossfahrer müssen ihrerseits mit einem Verwaltungs-Strafverfahren rechnen. Jagdleiter Watzke appelliert anlässlich dieses Zwischenfalls an die Waldbesucher: Gerade um diese Zeit sind viele Tiere kurz davor, ihre Jungen zur Welt zu bringen. „Daher bitte ich alle, bleibt auf gekennzeichneten Wegen und beendet Aktivitäten bis spätestens 17 Uhr.“