Beißkorb lässt viele im Bezirk Bruck aufjaulen. Hundehalter, aber auch die Experten lassen kein gutes Haar an dem neuen Gesetz. Die NÖN hörte sich um.

Von Otto Havelka, Nicole Frisch, Josef Rittler und Susanne Müller. Erstellt am 13. November 2019 (04:03)
Stefan Tauber mit seinen Hunden Franka und Maxl: „Ich halte von dem Gesetz gar nichts. Die meisten Bissattacken passieren in den Familien.
Havelka

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung.

Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Hundehalterin Isabel Philipp aus Bruck ist durch das neue Gesetz jedenfalls verunsichert: „Der Begriff ‚öffentlicher Raum‘ lässt wahnsinnig viel Spielraum für Leute, die dich dann anzeigen können.“ Sie sei zwar insgesamt der Meinung ist, dass es gewisser Regeln bedarf. „Das Gesetz ist aber total schwammig formuliert. Genau genommen würde es wohl bedeuten, dass ich mit meinem Hund immer mit Beißkorb und Leine unterwegs sein muss.“ Wenn ein Gesetz zu viel Raum für Auslegung biete, sei das immer eine Gefahr. Philipp hält das Gesetz daher für zu wenig ausgereift. „Ich meine, man muss aufzeigen, wenn man etwas nicht gut findet“, so Philipp. Sie hat daher bereits eine Mail an die Landtagsdirektion geschrieben, in der sie Einspruch gegen das Gesetz erhebt und den auch begründet. Im Facebook hat sie außerdem dazu aufgerufen, dass andere Hundehalter es ihr gleichtun sollen. „Viel wichtiger wäre es, dass alle Hundebesitzer Verantwortung übernehmen müssen, nicht nur jene, die einen Listenhund haben. Das Land Oberösterreich hat das gut gelöst, dort ist für das Halten eines Hundes grundsätzlich ein Sachkundenachweis erforderlich“, so Philipp.

„Wenn ein Gesetz zu viel Raum für Auslegung bietet, ist das immer eine Gefahr.“  Isabel Philipp, Hundehalterin aus Bruck

Stefan Tauber, Hundebesitzer in Velm, hält von dem Gesetz „gar nichts“. Damit würden nur „Leute kriminalisiert, die verantwortungsvoll mit ihren Hunden umgehen“. Für Hunde selbst sei das lange Maulkorb-Tragen „eine Qual, weil sie nicht hecheln können“. Und schließlich schieße das Gesetz am Ziel vorbei, denn „die meisten Bissattacken passieren in den Familien“ und nicht an Orten, an denen nun Maulkorbpflicht vorgeschrieben wird.

Die Himbergerin Karin Bednarik arbeitet seit Jahren in einem Tierheim. Sie selbst hat ihren Mischlingsrüden Aron aus einer Tierstation geholt, in der er drei Jahre rund um die Uhr mit Maulkorb leben musste. „Für den Hund ist ein Maulkorb eine Katastrophe und erzeugt Angst.“ Sie plädiert dafür, bei den Hundehaltern anzusetzen: „Viele Käufer von Rassehunden haben keine Ahnung, welche Wesenszüge und Bedürfnisse die jeweiligen Hunde überhaupt haben.“ Ginge es nach ihr, „würden etliche Hundehalter gar keinen Hund bekommen dürfen“. Für ein sinnvolles Gesetz sollte man „vorher Experten zuziehen“, so Bednarik.

Für „unglücklich und nicht exekutierbar“ hält Ebergassings SP-Bürgermeister Roman Stachelberger – selbst Besitzer eines „Fünf-Kilo-Hundes“ (Zitat Stachelberger) – das neue Gesetz. „Wie soll das gehen? Sollen die Gemeinden jetzt eigene Hunde-Sheriffs anstellen?“, fragt er sarkastisch. Man schiebe die Verantwortung auf die Gemeinden ab, biete aber „keine tauglichen Mittel“, bemängelt Stachelberger.

Sabine Pöllmann-Karlik leitet die Hundeschule „Dogs Talk“ in Hollern. Ihrer Ansicht nach seien die Verschärfungen im Gesetz sowohl für die Hunde als auch die Hundehalter bedenklich. „Das Tragen eines Beißkorbes kann zwar nützlich sein, aber auch die sozialen Kontakte der Hunde einschränken und bei manchen Modellen gesundheitliche Probleme verursachen.“ Viel wichtiger als lediglich Einschränkungen für die Hunde festzulegen, sei es, die Hundehalter besser zu schulen. Auch müsste stärker differenziert werden: „Die Bestimmungen betreffen die 75-jährige Oma, die mit ihrem Dackel dreimal am Tag in den Park geht, genauso wie den Halter eines großen Bernhardiners.“

Falsch sei es aber, manche Rassen als „Listenhunde“ und daher als besonders gefährlich abzustempeln. „Nicht die Rasse ist gefährlich, sondern es kommt auf die Erziehung an, was der Halter aus dem Hund macht.“

Bettina May, Tierärztin in Sommerein, hält das neue Gesetz hingegen für sinnvoll. „Wir sollten uns vor Augen halten, dass es ein Sicherheitsgesetz ist“, sagt sie. Die Ausnahme für Kleinstrassen von der Beißkorbtragepflicht sei allerdings fachlich nicht argumentierbar. Als Beispiel nennt sie das Anstellen bei Buffets. Dort würden kleine Hunde ein Sicherheitsrisiko darstellen, darüber hinaus sei dies aber auch aus hygienischen Gründen abzulehnen. Wichtig sei in ihren Augen auch die Gesundenuntersuchung. Denn Hundebisse seien May zufolge auch oft auf Schmerzen des Tieres und nicht auf deren Rassenzugehörigkeit zurückzuführen.

Umfrage beendet

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