Bruck/Leitha: Illegale Zigaretten als Kekse getarnt. 2,4 Tonnen Tabak und Maschinen zur Herstellung von 15.000 Stangen wurden sichergestellt. Laut Finanzministerium wurde damit ein Steuerschaden von rund 700.000 Euro verhindert.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 05. Januar 2021 (11:17)
Ausgeraucht: Die Finanzpolizei stoppte nach intensiven Ermittlungen eine gerade anlaufende illegale Zigarettenproduktion im Bezirk Bruck/Leitha.
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Nach der illegalen Zigarettenproduktion, die im November 2020 in Wien Floridsdorf ausgehoben wurde, kann der Zoll einen weiteren Erfolg gegen die international organisierte Zigarettenmafia für sich verbuchen. In zwei angemieteten Lagerhallen im Bezirk Bruck an der Leitha beschlagnahmte der Linzer Zoll 2,4 Tonnen Tabak und Maschinen zur Tabakaufbereitung. 

„Angesichts der Dimension des Aufgriffs ist das ein weiterer empfindlicher Schlag, den wir der internationalen Zigarettenmafia dank der hervorragenden Arbeit des Zolls versetzen“, zeigt sich Finanzminister Gernot Blümel erfreut. 

Zigaretten als Kekse getarnt

Dem Zugriff vorausgegangen war ein Hinweis der französischen Zollverwaltung im September 2018, wonach ein Lkw aus Oberösterreich kontrolliert und drei Paletten transportierte Schmuggelzigaretten sichergestellt worden waren. Die Zollfahndung Linz startete daraufhin ein Ermittlungsverfahren, das sich nicht zuletzt aufgrund der internationalen Dimension äußerst aufwendig herausstellte. Die Untersuchungen ergaben, dass eine ungarische Firma mit Sitz in Wien mehrere Schmuggelsendungen an Zigaretten als Kekslieferungen getarnt nach Großbritannien gesandt hatte. Disponiert wurden diese Sendungen über bis zu sieben verschiedene Speditionen, was die Nachverfolgung erheblich erschwerte.

Corona stoppte illegale Produktion

Die Ermittlungs- und Überwachungsmaßnahmen der Zollfahndung Linz führten schließlich zu den beiden angemieteten Lagern am Rande des Industrieviertels im Bezirk Bruck an der Leitha, die im September 2020 mittels Hausdurchsuchungen kontrolliert wurden. 2,4 Tonnen Tabak sowie Maschinen, wie sie zur Aufbereitung von Tabak für die Zigarettenproduktion verwendet werden, wurden dabei sichergestellt. Das vorhandene Material hätte zur Herstellung von 3 Mio. Stück Zigaretten, umgerechnet 15.000 Stangen, gereicht. Experten eines Tabakunternehmens bestätigten, dass es sich bei den beschlagnahmten Maschinen um wesentliche Teile einer Zigarettenproduktionslinie handelt. Die Maschinen aus Polen hätten eine Produktionskapazität zur Verarbeitung von 200 Kilo Tabak pro Stunde. Alles deutet demnach darauf hin, dass in diesen beiden Lagern zwar eine Zigarettenproduktion gestartet hatte, die Waren- und Personalbeschaffung sowie weitere Logistik durch die Folgen der COVID 19 – Pandemie jedoch erheblich gestört worden waren. So war die illegale Zigarettenproduktion zum Stillstand gekommen, bevor sie noch richtig angelaufen war.

Gleiche Bande in Großbritannien "tätig"

Die internationale Zusammenarbeit der Zollbehörden nahm mit diesen Erkenntnissen nochmals an Fahrt auf. Beim Abgleich der Ermittlungsergebnisse der Linzer Zollfahndung stellten die Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien Übereinstimmungen mit einem ihrer Ermittlungsfälle fest. In Großbritannien erfolgten ebenfalls Zugriffe durch die  Behörden, wobei etwa 3 Mio. Stück Schmuggelzigaretten sowie Tabak sichergestellt werden konnten. Insgesamt wird eine Menge von 21 Mio. Stück Zigaretten kolportiert, die von den Zigarettenschmugglern nach Großbritannien eingeschleust wurden. Mittlerweile gilt als gesichert, dass der Fall in Österreich einen Teil dieses großangelegten, internationalen Netzwerkes darstellt. Dieses kriminelle Netz befasst sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Schmuggelzigaretten nach Großbritannien. Großbritannien zählt, was den legalen Konsum betrifft, zu den europäischen Ländern mit den höchsten Zigarettenpreisen.

Verfahren gegen zwei Beschuldigte

In Österreich wird ein Finanzstrafverfahren gegen zwei Beschuldigte der ungarischen Firma geführt. Sie stehen im Verdacht, zusätzlich zur illegalen Produktion in den Lagerhallen eine Menge von zumindest 2,7 Mio. Stück Zigaretten von Ungarn über Österreich nach Großbritannien verbracht zu haben. Der dadurch entstandene Steuerschaden beläuft sich auf etwa 540.000 Euro. Darüber hinaus werden sie der verbotenen Herstellung von Tabakwaren beschuldigt.

Höchststrafe: 1,7 Mio. Euro Geldstrafe und bis zu 4 Jahre Haft

Die Beschuldigten erwarten 540.000 Euro Steuernachzahlungen sowie ein Gerichtsverfahren. Das Höchstmaß beträgt dabei jeweils rund 1,3 Mio. Euro an Geldstrafen, rund 400.000 Euro an Wertersatzstrafen sowie bis zu 4 Jahren an Freiheitsstrafe. Der beschlagnahmte Tabak und die Maschinen der Zigarettenproduktionsstraße gelten rechtlich als verfallen und werden behördlich vernichtet.