Wiener City-Maut ist ein rotes Tuch. Vorschlag von Vizestadtchefin Maria Vassilakou hat im Bezirk (fast) keine Freunde. Ausbau der Öffis eher im Fokus.

Von Adalbert Mraz, Otto Havelka, Theresa Puchegger, Ines Garherr und Gerald Burggraf. Erstellt am 06. Juni 2018 (03:37)
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Streitbar ist sie ja, die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. Das stellte die Grünen-Politikerin vergangene Woche einmal mehr unter Beweis, als sie laut über eine City-Maut für Nicht-Wiener- Pkw nachdachte. Pendler sollen demnach ab der Stadtgrenze zur Kasse gebeten werden. Die Einnahmen würden in den Öffi-Ausbau fließen, versprach Vassilakou. So will die Vizestadtchefin den Individualverkehr in Wien eindämmen.

Der Aufschrei der Opposition in der Bundeshauptstadt, aber vor allem in Niederösterreich ließ nicht lange auf sich warten. Der zuständige Landesrat Ludwig Schleritzko (VP) lehnte den „populistischen Vorschlag“ kategorisch ab. Ähnlich lauteten auch die Reaktionen aus dem Brucker Bezirk, der bekanntlich eine starke Pendlerregion ist.

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Gerhard Razborcan, SP.

„Nachhaltige Verkehrspolitik ist etwas anderes, als einfach nur die Pendler zu schröpfen“, mokiert sich Landtagsabgeordneter und SPNÖ-Verkehrssprecher Gerhard Razborcan. Das passiere schon mit dem Parkpickerl. Er fordert vielmehr einen Ausbau der Park & Ride-Anlagen sowie des öffentlichen Verkehrsnetzes von Wien ins Umland. „Außerdem brauchen wir auch in Niederösterreich das 365-Euro-Öffi-Ticket, um den Pendlerverkehr stärker auf die Öffis zu lenken“, betont der Leopoldsdorfer.

"Nein" auch vonseiten der Bezirks-ÖVP

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Gerhard Schödinger, VP.

Ein kategorisches „Nein“ gibt es auch vonseiten der Bezirks-ÖVP. „Das können wir so nicht akzeptieren, Dinge einfach ohne Vorbesprechung quasi als Drohung in die Öffentlichkeit zu tragen“, poltert Bezirksparteiobmann Gerhard Schödinger. Es könne nicht sein, dass grüne Parteiideologie auf dem Rücken der Pendler umgesetzt werde, ergänzt der Wolfsthaler Bürgermeister. Er fordert stattdessen den Ausbau der U-Bahn ins Wiener Umland.

„Keine zusätzliche Belastung für Pendler“ fordert auch FPÖ-Bezirksobmann Werner Herbert. Er vergleicht eine Wiener City-Maut mit einem Wegzoll aus früheren Tagen und sieht die Idee als „Abschöpfung zum Nachteil der Erwerbstätigen“.

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Werner Herbert 

Wenig überraschend Verständnis für Vassilakou zeigt Grünen-Bezirkssprecherin und Schwechater Vizebürgermeisterin Brigitte Krenn. „Ich kann die Pläne nachvollziehen, um den Autoverkehr in der Stadt zu senken. Aus Sicht eines Umlandbezirks müssen dringend Alternativen geschaffen werden. Schon jetzt ist die Situation so, dass viele aus dem Bezirk nach Schwechat pendeln, um hier auf die Öffis umzusteigen“, erläutert sie. Krenn pocht auf bessere Busverbindungen, einen echten Viertelstundentakt auf der S7-Strecke und das 365-Euro-Ticket.

„Mit den Öffis bräuchte ich doppelt so lange“

Ronald Unger wohnt in Velm und ist Gebietsverkaufsleiter eines Finanz- und Versicherungsunternehmens in Wien. Ihn trifft die City-Maut nicht, da er mit einem Firmenauto unterwegs ist. „Theoretisch könnte ich auch mit den Öffis fahren, bräuchte dafür aber doppelt so lange“, sagt Unger. Daher glaubt er nicht, dass eine City-Maut zum Umsteigen auf Öffis animiert. Vielmehr sieht er darin ein weiteres Ärgernis für Pendler, die „ohnedies jede Menge Parkgebühren bezahlen“.

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Brigitte Krenn, Grüne.

Verständnis zeigt hingegen der Mannersdorfer Lehrer Robert Garherr, der selbst täglich pendelt. Man müsse den Individualverkehr in den Städten bremsen. Auch eine Möglichkeit sei ein Fahrverbot für bestimmte Autos wie ältere Dieselfahrzeuge, wie es in Deutschland zur Anwendung komme. „Wenn die City-Maut kommt, werde ich mir überlegen, ob ich öffentlich fahre oder zahle“, so Garherr.

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