Lafarge: Mitarbeiter fürchten um Jobs. Mannersdorf / Mega-Fusion mit Holcim könnte aus Gründen des Wettbewerbs zu Veräußerung des Mannersdorfer Werks führen.

Von Gerald Burggraf und Marco Cornelius. Erstellt am 23. Juli 2014 (10:43)
NOEN, Ines Garherr
Trübe Aussichten für die Zukunft des Lafarge-Werks in Mannersdorf. Im Zuge der Fusionierung mit Holcim könnte Österreichs größtes Zementwerk verkauft werden. Fix ist aber noch nichts. Bei den Mitarbeitern macht sich jedenfalls schon Verunsicherung breit und auch die Gewerkschaft appelliert an die Konzernführung. Foto: Ines Garherr
Seit 7. April ist es fix: Die europäischen Baustoffriesen Lafarge (Sitz in Paris) und Holcim (Sitz in Zürich) werden fusionieren und wollen damit, wie in einer Aussendung veröffentlicht, den modernsten Konzern der Branche schaffen. Gemeinsam erwirtschaften die Unternehmen einen Jahresumsatz von 32 Milliarden Euro.

Internationale Lage mit Effekten auf Mannersdorf

Der Zusammenschluss der internationalen Firmen hat nun aber auch einen direkten Einfluss auf den Brucker Bezirk – genauer gesagt auf das Lafarge-Werk in Mannersdorf. Denn wie kürzlich bekannt wurde, könnte die Mega-Fusion eine einschneidende und zukunftsweisende Veränderung für das größte österreichische Zementwerk bedeuten.

Aus kartellrechtlicher Sicht müssen nämlich derartige Zusammenschlüsse von der Wettbewerbsbehörde, in diesem Fall auf europäischer Ebene, geprüft werden. Nicht selten wird dabei die Abstoßung von Firmenteilen gefordert. Die Prüfung ist zwar im Gange, doch Lafarge/Holcim veröffentlichte nun eine Liste mit möglichen zu veräußernden Teilen.

Darauf findet sich auch das Werk in Mannersdorf wieder, ein Verkauf der Niederlassung droht also. Offiziell gibt es seitens Lafarge Österreich dazu keine Stellungnahme, man verweist auf das laufende Verfahren, und dass ein Verkauf noch lange nicht fix sei.

„Wenn es zu einem Verkauf kommt, braucht unsere Belegschaft eine Gewissheit über ihre Zukunft.“
Manfred Fiala, Betriebsratsvorsitzender bei Lafarge

Eine Entscheidung, die ausschließlich in Paris und Zürich fallen wird, wird frühestens im ersten Halbjahr 2015 erwartet. Dennoch schrillen in Mannersdorf bereits die Alarmglocken: „Die Verunsicherung bei den Beschäftigten und die Angst um den Job sind sehr groß. Aktuell sind im Werk 111 Menschen beschäftigt“, unterstreicht Rudolf Silvan, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz.

Betriebsratsvorsitzender Manfred Fiala ergänzt: „Seit der Lafarge-Konzern die Firma Perlmooser gekauft hat, wurde die Belegschaft bereits um die Hälfte reduziert. Wenn es zu einem Verkauf kommt, braucht unsere Belegschaft eine Gewissheit über ihre Zukunft.“

Enttäuscht über die Verkaufspläne zeigt sich SP-Bürgermeister Gerhard David. „Für mich und die Stadtgemeinde hat jetzt natürlich der Erhalt aller Arbeitsplätze und der Weiterbestand der Lehrlingsausbildung oberste Priorität. Daher fordere ich, dass es nur einen Käufer mit Arbeitsplatzgarantie geben darf.“ Darüber hinaus müsse auch etwa das Dialogforum unbedingt erhalten werden.