Mann drohte seiner Frau mit Schuss ins Knie

Richter sah darin Nötigung, um den Streit ums gemeinsame Haus zu gewinnen.

Erstellt am 25. Januar 2021 | 17:14
Bluttat im Schloss Bockfließ: Mordprozess in Korneuburg
Eine Außenaufnahme des Landesgerichts Korneuburg am Donnerstag, 4. Juli 2019, vor Beginn des Prozesses gegen den 55-jährigen wegen Mordes Angeklagten.
Foto: APA/Herbert Pfarrhofer

Geschenkt dürften sich die Ehepartner am Ende ihrer Beziehung von Mai bis August 2020 definitiv nichts haben. Bei einem Familienessen mit dem gemeinsamen 14-jährigen Sohn am Hanslteich, einem beliebten Ausflugsziel in Wien Hernals, sagte die 45-jährige Ärztin zu ihrem Mann: „So sieht der Tod aus.“ Vor Richter Martin Gall-Vanek am Landesgericht Korneuburg erklärte sie diese Äußerung damit, dass sie einen Menschen, „der ohne Liebe ist“, gemeint habe.

Auf der Anklagebank saß aber auch nicht sie, sondern ihr Ehemann, der wegen gefährlicher Drohung seiner Ex-Frau gegenüber angeklagt war. Auslöser dürfte Mitte Mai ihr Wunsch gewesen sein, sich von ihm zu trennen. Seit dieser Zeit, schilderte die 45-Jährige vor Gericht, habe er mehrmals gedroht, ihr und ihren Freunden ins Knie zu schießen. Er soll sie auch gefragt haben, wann sie sich endlich aufhänge. Hintergrund des Psychoterrors war, dass der Ehemann wollte, dass sie ihm seine Hälfte des Hauses abtritt und aus dem gemeinsamen Haus auszieht, so die Ärztin. 

Dass sich der Mann Ende Juli in Begleitung seines Sohnes eine Schrotflinte gekauft hat, sagte der 14-Jährige vor Gall-Vanek aus: „300 Euro, ein Schnäppchen.“ Dass der Angeklagte wirklich die Absicht hatte, seine Drohung in die Tat umzusetzen, zog der Richter aber in Zweifel. Er sah in den insgesamt sieben Äußerungen, Freunden der Frau ins Knie zu schießen, eine Nötigung, um die Ex-Partnerin zum Verlassen des Hauses zu zwingen. Das Urteil lautete letztendlich auf drei Monate bedingte Freiheitsstrafe.