Bäume als Zankapfel zweier Stadträte. Gemeinderat lehnt Baumschutzverordnung ab. Umweltstadtrat beklagt indes, dass Bäume als Infrastrukturthema gesehen werden.

Von Nicole Frisch. Erstellt am 26. Juli 2020 (05:35)
Mit der Baumschutzverordnung hätten Bäume nur mehr nach Rücksprache mit Experten gefällt werden können.
: privat

 „Ich wollte das durch den Gemeinderat entscheiden lassen und auch die Öffentlichkeit darüber informieren“, erklärt LIM-Umweltstadtrat Wilfried Duchkowitsch, wieso die Baumschutzverordnung auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung zu finden war. Im Stadtrat wurde diese nämlich bereits abgelehnt (die NÖN berichtete).

Auch die Gemeinderäte haben sich nun mehrheitlich gegen eine Baumschutzverordnung ausgesprochen. Durch diese hätte beispielsweise ein Experte gefragt werden sollen, bevor Bäume auf öffentlichen Flächen gefällt werden. „Wir schauen, dass wir das trotzdem gut machen“, betont VP-Infrastrukturstadtrat Rudolf Ackerl. Daher wurden die fachgerechte Baumpflege sowie die Erneuerung des Baumkatasters beschlossen. „Dass wir den Baumkataster erneuern, ist gut und wichtig. Wenn nötig, werden auch neue Bäume gepflanzt. Das haben wir immer so gemacht“, hält Ackerl fest. 

Diskussion, wer für      Bäume zuständig ist

Indes ist eine Diskussion über Zuständigkeiten ausgebrochen. Die Tagesordnungspunkte, die die Bäume betreffen, wurden von Duchkowitsch eingebracht, allerdings in der Sitzung von Ackerl vorgebracht. „Ein Baum wird gepflanzt zur Verbesserung der Lebensqualität, nicht der Infrastruktur“,  so Duchkowitsch.  Ackerl kann die Kritik nicht verstehen. „Grünflächen und Bäume gehören zur Infrastruktur, das war noch nie bei der Umwelt“, erklärt er. Duchkowitsch könne aber mitarbeiten. 

LIM-Kulturstadtrat Johann Kopf wirft Ackerl jedoch vor, „mit zweierlei Maß zu messen“. Erst vor kurzem hätte er sich in das Kulturbudget eingemischt, indem er Förderungen für Vereine auf die Tagesordnung gesetzt und Kopf darüber nicht informiert hätte. „Wenn er so genau weiß, was sein Ressort ist, dann muss er das bei den anderen auch wissen“, poltert Kopf.  Ackerl sieht darin keine Einmischung. „Das war das Gebot der Stunde, die Vereine haben Geld gebraucht“, sagt er.