Bescheid sorgt für Ärger bei Rohrauerin. Neue Eigentümerin erhielt plötzlich Abbruchbescheid der Gemeinde Rohrau für Obergeschoß.

Von Josef Rittler. Erstellt am 31. Dezember 2020 (04:24)
Das Einfamilienhaus wurde aufwendig renoviert – dem Dachgeschoß fehlt allerdings noch die Bewilligung.
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Ein unangenehmes „Geschenk“ erhielt eine Hauseigentümerin kurz vor Weihnachten: Die Gemeinde forderte die Rohrauerin auf, binnen kurzer Zeit um eine nachträgliche Bewilligung für das Dachgeschoß ihres Einfamilienhauses anzusuchen, andernfalls müsse sie das Geschoß abreißen.

Die Juristin hat das Einfamilienhaus im September 2018 erworben. Im Kaufvertrag sind sämtliche Bau- und Benützungsbewilligungen zugesagt worden. „Wir haben das Haus aufwendig renoviert – und dann hat sich herausgestellt, dass der Kanal ein Totalschaden ist“, erzählt die 29-jährige Rohrauerin im Gespräch mit der NÖN.

Eine Woche später wurde mir knapp vor Weihnachten ein Abbruchbescheid zugestellt.“ Die erboste Hausbesitzerin

Ein weiteres Problem: Der Ausbau des Dachgeschoßes war gar nicht bewilligt. Als sich vor rund zwei Monaten nasse Flecken an den Wänden bildeten, wurde ein Sachverständiger beigezogen. Der erkannte, dass das Dach nicht fachgerecht ausgeführt worden war, das Unterdach fehlte.

Wegen des kaputten Kanals zog die Juristin vor Gericht, die Angelegenheit zieht sich mittlerweile über eineinhalb Jahre hin. „Bezüglich der Bewilligung für das Dachgeschoß fand ich heraus, dass der Voreigentümer bereits 1995 von der Gemeinde aufgefordert wurde, sofort für den Dachgeschossausbau – sofern dieser bewohnt werde – nachträglich ein Bauansuchen und einen Plan einzureichen“, schildert die empörte Eigentümerin.

Obwohl die Gemeinde fast 25 Jahre gewusst hat, dass das Dachgeschoß von den Voreigentümern bewohnt wurde, ist nichts mehr geschehen.

Gemeinde beruft sich auf NÖ Bauordnung

„Jetzt wurde ich plötzlich vom Bürgermeister aufgefordert, um eine nachträgliche Bewilligung des Dachgeschosses anzusuchen“, ärgert sich die Rohrauerin. Die Neo-Hauseigentümerin bat um Aufschub, da für die nachträgliche Bewilligung des Dachgeschoßes erneut hohe Kosten anfallen, die sie zuerst über den Gerichtsweg bei den Voreigentümern geltend machen muss. „Der Bürgermeister lehnte das ab und beraumte sofort eine baubehördliche Überprüfung an“, erzählt sie. Der Ablauf war aus ihrer Sicht bedenklich, trotz Corona-Lockdown haben sich acht Personen auf engstem Raum eingefunden. Es wurde seitens der Amtssachverständigen festgestellt, dass keine Gefahr im Verzug besteht.

„Eine Woche später wurde mir knapp vor Weihnachten ein Abbruchbescheid mit dem Datum der baubehördlichen Überprüfung zugestellt, außerdem darf ich das Dachgeschoss nicht mehr benützen. Die Gemeinde hat rund 25 Jahre nichts getan, jetzt soll alles trotz Feiertagen und Lockdown in kürzester Zeit nachgereicht werden.“

Die Gemeinde Rohrau beruft sich auf die NÖ Bauordnung. „Wenn es sich um einen Schwarzbau handelt, bin ich verpflichtet, so vorzugehen“, erklärt Bürgermeister Herbert Speckl (ÖVP) im Gespräch mit der NÖN. Warum die Gemeinde über rund 25 Jahre hindurch nichts unternommen hat und warum der jungen Juristin jetzt keine Fristerstreckung gewährt wurde, sondern sofort ein Abbruchbescheid sowie ein Benützungsverbot des Dachgeschosses erlassen wurde, blieb seitens des Bürgermeisters jedoch unbeantwortet.

Die Hauseigentümerin hat sofort gegen den Bescheid berufen. „Ich habe sehr viel Geld in die Renovierung des Hauses investiert, das Vorgehen der Gemeinde ist mir nicht nachvollziehbar, der Bescheid ist existenzbedrohend.“