Enzersdorf: Liebestaumel endete mit Messerstich

Erstellt am 30. Juli 2022 | 04:56
Lesezeit: 3 Min
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Am Landesgericht Korneuburg führten die Folgen einer verzwickten Affäre für einen 51-Jährigen zu einer einjährigen bedingten Haftstrafe.
Foto: NÖN
Affäre zwischen zwei verheirateten Nachbarn führte zu Handgemenge zwischen Liebhaber und Ehemann.
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Außereheliche Affären pflegen an sich eine stressige Sache zu sein, wenn es aber zwei bekannte Pärchen in der unmittelbaren Nachbarschaft betrifft, macht es die Sache noch komplizierter. So geschehen in der Region zwischen einem 51-Jährigen und seiner Nachbarin (29).

Und um die Verwicklungen zu krönen, kennen sich die jeweils anderen Ehegesponse schon seit Kindheitstagen. Das Drama gipfelte am 1. März dieses Jahres in einem Gerangel in der Wohnung der Geliebten, bei dem deren Mann (42) eine Stichwunde im Rücken davontrug.

Dafür war der 51-Jährige am Landesgericht Korneuburg angeklagt. Schnell stellte sich für Richterin Lydia Rada die Frage, ob sie es mit einem Fall von „liebeskrank“ zu tun hätte. Denn die Beziehung war, nach übereinstimmenden Aussagen mit dem 16. Jänner zwar zu Ende, die beiden hatten aber weiterhin Kontakt. „Sie konnten nicht ganz loslassen“, vermutete Rada. Er habe sich wieder wie 18 gefühlt, war der Mann auch vor Gericht noch ganz beseelt von der Beziehung zu der jungen Frau. Da lag der Rückschluss der Richterin, dass es sich um eine „Midlife-Krise“ handelt, nahe.

Für Sachverständigen war es eindeutig ein Messer

Das gab er etwas beschämt zu, zur Anklage jedoch bekannte er sich nicht schuldig. „Lass uns reden“, will er zum 42-Jährigen gesagt haben, und meinte den komplizierten Beziehungsstatus. Von dem Verhältnis selbst wusste der 42-Jährige schon einige Zeit zuvor, weil er die beiden in flagranti erwischt hatte. Dieser wollte aber, laut Aussage des 51-Jährigen, nicht auf das Gesprächsangebot eingehen und sei mit einem Stuhl auf ihn losgegangen.

Wie es zu dem Messerstich kam, konnte er nicht erklären. Das versuchte dafür sein Verteidiger Franz Haydn. Da der 42-Jährige bei dem Gerangel auf Mistsäcke fiel, die er vor der Auseinandersetzung eigentlich wegwerfen wollte, vermutete Haydn eine Glasscherbe oder anderen Unrat als Ursache für die Verletzung.

Das konnte der Sachverständige mit seinem Gutachten ausräumen. Es muss sich um ein Messer gehandelt haben, da er eine charakteristische glattrandige Schnittwunde feststellen konnte. Der Stich ging durch vier Kleidungsstücke und war zweieinhalb Zentimeter tief.

In seinem Schlussplädoyer zog Haydn alle Register, schürte Zweifel an den Zeugen, wohingegen die Version seines Mandanten durch die Beweise objektiviert sei. Dass die Verletzung durch das Messer seines Klienten verursacht wurde, der dieses als Speditionsunternehmer immer mit sich führt, konnte auch er nicht wegargumentieren.

Für die schwere Körperverletzung wurde er zu einem Jahr bedingter Freiheitsstrafe verurteilt, wobei ihm die Vorhaft von 1. März bis 11. Mai dieses Jahres angerechnet wurde.

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