„Nur zu schimpfen ist aber zu wenig“. ENERGIEKONZEPT / Das Römerland Carnuntum zeigt, dass Erneuerbare Energie eine realistische Alternative zu Atomstrom ist.

Erstellt am 23. März 2011 (07:42)
NOEN
VON SUSANNE MÜLLER

BEZIRK BRUCK / Die Nachrichten aus Fukushima flimmern in ständigen Updates zur Lage in den Atomreaktoren über die Bildschirme. Für Österreich besteht in diesem Fall zwar keine Gefahr. Dennoch hat die Katastrophe in Fukushima dazu geführt, dass Alarmpläne einmal mehr überprüft und die Rüstung gegen einen Ernstfall in einem nähergelegenen Atomkraftwerk kritisch unter die Lupe genommen werden. In Sachen Strahlenschutz gibt es auch von der zuständigen Abteilung des Lebensministeriums laufend Berichte über die aktuelle Lage in Japan an die Behörden in den Bezirken. Darin wird betont, dass keinerlei Auswirkungen einer Verstrahlung auf Österreich zu befürchten seien. Was den Import von Lebensmitteln aus Japan betrifft, könne ebenfalls Entwarnung gegeben werden. Einerseits würden aus Japan generell kaum Lebens- oder Futtermittel importiert. „Basierend auf einer Empfehlung der Europäischen Kommission werden trotzdem ab sofort alle Lebensmittel mit Herkunft Japan auf Radioaktivität untersucht“, heißt es in einer Aussendung der Abteilung für Strahlenschutz.

Angeheizt wurde durch das Leid im fernen Japan auch die Debatte über Atomstrom bei uns. Im Bezirk wird seit Jahren an dem Ziel der 100-prozentigen Versorgung der Region mit erneuerbarer Energie gearbeitet. „Das ist nicht einfach. Das theoretische Potenzial ist enorm, aber unser Ziel ist ein realistisches Szenario“, so DI Leo Gstrein, Geschäftsführer des Vereins Energiepark. Entsprechend „ambitioniert, aber durchaus machbar“ ist das Energiekonzept der Region für die nächsten zehn Jahre angelegt. Gstrein erklärt: „Derzeit werden rund 45 Prozent der in der Region verbrauchten elektrischen Energie durch erneuerbare Energie abgedeckt.“ Die Perspektive für 2020 sieht vor, dass dann sogar „140 Prozent dessen, was wir 2020 an Strom verbrauchen, aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird“, so Gstrein. Und das, obwohl die Region durchaus große Industriebetriebe wie den Flughafen oder die OMV, also starke Energieverbraucher, beherbergt. Hauptquelle ist in der Region natürlich der Wind, aber auch Biogas und Photovoltaik spielen eine Rolle.

Gelingen können diese Ziele natürlich nur, wenn auch die äußeren Rahmenbedingungen stimmen - und hier setzt Gstrein kritisch an: „Wenn wir keinen Atomstrom haben wollen, dürfen wir auch keinen importieren, und müssen zeigen, dass es mit Alternativen funktioniert. Nur zu schimpfen ist zu wenig.“ Denn genau darin liege in der österreichischen Politik der Widerspruch: „Österreich wird gerne als Musterumweltland präsentiert, wenn es aber darum geht, Alternativen zu Atomstrom tatsächlich voranzutreiben, dann zeigt sich eine gewisse Halbherzigkeit“, so Gstrein. Darunter leiden derzeit auch die Energiepläne für die Region: „Die Gemeinden und die Investoren stehen dahinter, werden aber von der Bundespolitik gebremst“, verweist Gstrein auf die Deckelung im Ökostromgesetz und appelliert, Fukushima zum Anlass zu nehmen, dafür zu sorgen, „dass die, die am Sektor Erneuerbare Energie etwas tun wollen, das auch können.“