Ein Schub für den Randsport in Schwechat. Die Erfolge in Tokio werden den heimischen Sport beflügeln: das sagen die zwei größten Leichtathletik-Klubs.

Von Felix Novak und Christopher Schneeweiß. Erstellt am 04. August 2021 (05:07)
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Ein Kandidat für die Zukunft: SV Schwechat-Talent Max Förster, der unter anderem im Weitsprung und über die 100m seine Qualitäten hat, möchte nächstes Jahr bei den Olympischen Jugendspielen in Dakar im Senegal eine wichtige Rolle spielen.
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„Die Leichtathletik ist nur in Österreich eine Randsportart, in Tokio ist sie das Herzstück von Olympia.“ Diese Worte von Gerfried Krifka, seines Zeichens Sportleiter der SV Schwechat, sagen Einiges aus. Österreich ist und bleibt eine Ski- und Fußballnation. Dass die Spiele dem Land aber durchaus einen Impuls geben können, davon ist Krifka überzeugt. Große Ereignisse hätten immer positive Auswirkungen. Vor allem auf die Kinder. „Das beweist der Ansturm der Jugendlichen, die für volle Trainingsgruppen im Klub sorgen.“

Bronze-Gewinner trainierte in Schwechat

Der Obmann des HSV Bruck Kaisersteinbruch, Ernst Jurkovic, ist sogar felsenfest überzeugt, dass Olympia der Leichtathletik in Österreich „einen Schub geben kann“. Nur die aktuelle Covid-19-Situation würde die Rekrutierung von Nachwuchstalenten erschweren. „Viele Eltern haben davor Angst, ihr Kinder irgendwo hinzuschicken. Corona bleibt nach wie vor ein lähmendes Thema.“

„Olympia kann Leichtathletik in Österreich einen Schub geben!“ Ernst Jurkovic, Obmann des HSV Bruck Kaisersteinbruch

An Nachwuchs und Zustrom fehlt es der SV Schwechat hingegen nicht. Die Leichtathletiksektion zählt bereits seit langer Zeit zu den großen Säulen der Sportstadt Schwechat. Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, der in Japan Bronze holte, hatte die Sportstätte in der Braustadt ebenfalls zur Vorbereitung genutzt. Mit der kürzlich neu eröffneten Anlage nahe des Rudolf Tonn-Stadions verfügen die SVS-Diskuswerfer mittlerweile sogar über eine modernere Sportstätte. „Die wird auch Weißhaidinger gefallen“, meint Krifka.

Dass die Auswahl an Sportarten bei Olympia erweitert wurde, freut den Sportleiter. „Ich sehe mir auch die Ergebnisse und Berichte von Softball, Wildwasserkanu und Turmspringen an. Genau das macht ja den Reiz von Olympia aus – der Zuschauer sieht Sportarten, die er sonst vier Jahre lang nicht sieht. Zum ersten Mal ist auch Skateboard dabei. Das ist doch toll.“

Einige Sportarten sind für Krifka aber fehl am Platz. Tennis- oder Fußballmatches sieht er sich daher nicht an. „Diese Duelle sehe ich doch sowieso jedes Jahr.“

Der HSV-Obmann Jurkovic führt die Erweiterung der Sportbewerbe unter anderem darauf zurück, dass der Veranstalter mehr Werbeeinnahmen durch TV-Übertragungen lukrieren kann. Aber: „Olympia bietet die große Möglichkeit, mächtigen und populären Sportarten dank der Berichterstattung Paroli zu bieten.“

„Alterslimits sind in jeder Sportart wichtig“

Für Diskussionen sorgte die Entscheidung im Bewerb Skateboard. Der Grund: das Alter der Medaillengewinner. Die Siegerin aus Japan, Momiji Nishiya, ist erst 13 Jahre alt. Mit Ausnahme vom Turnen, wo die Athleten mindestens 16 Jahre alt sein müssen, gibt es bei den Spielen keine Alterslimits.

„Im Turnen gab es bedenkliche Tendenzen in der Art und Weise, wie der Körper der Kinder ausgebildet wurde. Daher war das die richtige Entscheidung. Ich denke aber, dass Alterslimits bei Olympischen Spielen in jeder Sportart wichtig sind, da sonst die Gefahr besteht, dass Kindern ihre Entwicklungszeit gestohlen wird.“

Jurkovic meinte dazu: „In der Leichtathletik ist das sowieso kein Thema, da die Sportler viele Jahre benötigen, bis sie derart starke Leistungen erbringen können. Prinzipiell halte ich aber Altersbegrenzungen für sinnvoll.“

Übrigens: Die SV Schwechat hat bei Olympia noch ein Ass im Ärmel. Daumen drücken heißt es für Lemawork Ketema, der von Samstag auf Sonntag (Start: 0 Uhr) beim Marathon um eine Medaille läuft.

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