Gerichtsprozess: Drogen als Freundschaftsdienst. Ein 25-Jähriger aus dem Bezirk Bruck und ein 50-jähriger Wiener waren wegen Suchtgifthandels und Weitergabe von Drogen angeklagt.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 23. April 2021 (03:23)
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Speed hatten die beiden Männer an Freunde und für Sexpartys verkauft.
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Die Nervosität vor der Verhandlung am Landesgericht Korneuburg sah man dem 25-Jährigen aus dem Bezirk Bruck deutlich an. Und sie war auch nicht ganz unberechtigt, war er doch wegen Suchtgifthandels und der unerlaubten Weitergabe von Drogen angeklagt.

Im Gerichtssaal wartete bereits der zweite Angeklagte, ein 50-jähriger Wiener, der seit 20. Februar dieses Jahres in Untersuchungshaft sitzt. Staatsanwältin Doris Demler klagte ihn wegen derselben Straftaten an.

Zusammengebracht hat die beiden eine Plantage in Pachfurth, die der Wiener dort betrieb. 15 Cannabis-Pflanzen sollen dort gediehen und abgeerntet worden sein. Der 50-Jährige hatte bereits Erfahrung und bei seiner Einvernahme bei der Polizei zugegeben, bereits seit 2016 Gras anzubauen. Einige Male soll der 25-Jährige schon Drogen bei dem 50-jährigen Maschinenschlosser bezogen haben, neben Marihuana auch Speed.

Speed soll an Freunde gegangen sein

In einer Wohnung in Bruckneudorf verkaufte er – vor allem das Speed – an drei Freunde. „An sonst noch jemanden“, fragte Richter Franz Furtner scharf nach. „Nein, nur die drei“, beteuerte der junge Mann.

Das Speed hatte der 50-Jährige vornehmlich aus der Slowakei bezogen, woraufhin der Richter nachfragte, warum er das zusätzliche Risiko des Grenzübertritts in Kauf genommen habe. „Sind doch offene Grenzen“, so die verblüffende Antwort, „und besser als das österreichische war’s auch.“

Beide Männer waren geständig

Natürlich interessierte Furtner auch in diesem Fall, wer die Kunden des Mannes waren. Nur sechs bis zehn Menschen, die er für Sexpartys mit Speed versorgt hätte. „Nur Pärchen“, war dem Angeklagten in dem Zusammenhang wichtig, festzuhalten.

Beide waren schon im Vorfeld umfänglich geständig, was zumindest den 50-Jährigen nicht vor einer teilbedingten Strafe schützte, hauptsächlich aufgrund seines Vorlebens, in dem sich auch schon fünf Vorstrafen angesammelt hatten.

Der unbescholtene 25-Jährige wurde für seine Taten zu drei Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt, der Maschinenschlosser zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, davon 18 Monate bedingt. Einen Milderungsgrund sah Furtner vor allem in dem Umstand, dass es sich bei diesen Drogengeschäften wohl eher um eine Art von Freundschaftsdienst gehandelt habe.