Wenn der Weg zur Arbeit weit ist

Für viele Bewohner im Brucker Bezirk gehört das Pendeln zum Alltag.

Erstellt am 11. Dezember 2019 | 06:01
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Roman Holkovics pendelt seit 13 Jahren täglich nach Wien und wählt möglichst verkehrsarme Zeiten.
Foto: Mraz

Der 35-jährige Hainburger Roman Holkovics pendelt seit 13 Jahren mehr als 50 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle. Er steigt täglich um 5 Uhr Früh aus dem Bett, verlässt um 6 Uhr mit dem Auto sein Haus Richtung Wien und kehrt erst nach zwölf Stunden wieder zurück.

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„Ich habe das Studium Wirtschaftsberatung an der FH in Wiener Neustadt abgeschlossen und mit meiner Ausbildung keinen adäquaten Arbeitsplatz in der näheren Umgebung gefunden“, erzählt Holkovics. Ein Wohnortwechsel nach Wien kam für ihn nie in Betracht. „Ich fühle mich in meiner Heimatstadt Hainburg wohl und nehme dafür die tägliche Wegstrecke gerne in Kauf“, fügt er hinzu. Das Fahren mit dem Auto mache ihm nichts aus, weil er zu Zeiten fährt, die weitgehend verkehrsarm und staufrei sind. Im Umstieg auf die Bahn sieht er keine Alternative, denn es ginge nicht nur Zeit, sondern auch die Flexibilität verloren. Seit April sei es für ihn einfacher geworden, weil seine Firma vom 16. Wiener Gemeindebezirk nach Erdberg im dritten Bezirk übersiedelt ist.

Holkovics ist nur einer von 2.204 Pendlern aus Hainburg, die tagtäglich in die Bundeshauptstadt zur Arbeit fahren. In der Mittelalterstadt stieg in den Jahren zwischen 1991 und 2017 die Anzahl der Berufspendler bezirksweit am stärksten an. So steigerte sich die Auspendlerquote von 48,8 auf 68,6 Prozent. Mit diesem Wert liegt Hainburg jedoch nicht einmal unter den Top-Ten.

Lanzendorf mit höchstem Pendler-Anteil

Den größten Pendler-Anteil gibt es mit Stand 2017 in Lanzendorf mit 88,7 Prozent, dicht gefolgt von Gramatneusiedl mit 87,4 Prozent und Zwölfaxing mit 87 Prozent. Alle drei Gemeinden verfügen über relativ wenige Arbeitsplätze im Ort. Ebenfalls durchwegs eine Auspendlerquote von über 85 Prozent gibt es in Moosbrunn, Haslau-Maria Ellend und Leopoldsdorf, Götzendorf, Schwadorf und Hundsheim.

Knapp dahinter rangiert Kleinneusiedl, eine der wenigen Gemeinden im Bezirk, deren Quote sogar leicht zurückging – konkret um 2,5 Prozent. Keine Sorgen um zu wenige Jobs muss man sich hingegen in der größten Gemeinde des Bezirks, in Schwechat, machen. Dort gibt es neben Flughafen und OMV noch weitere mitarbeiterstarke Betriebe. Daher liegt die Auspendler-Quote auch nur bei 66,4 Prozent. Allerdings sorgte der Anstieg von 14,5 Prozent im Vergleich zu 1991 für einen Top-5-Platz im Ranking.

Für SP-Bürgermeisterin Karin Baier gehe dies einerseits mit dem enormen Wachstum der Braustadt einher. Andererseits würden zwar viele große Betriebe Personal suchen, die – in erste Linie jungen – Schwechater davon aber oft gar nichts wissen. „Ich habe mittlerweile die Zusage von Flughafen und OMV für die Teilnahme an einer Jobbörse für junge Schwechater“, erzählt Baier.

Im kommenden Jahr wird daher diese Berufsinfomesse erstmalig über die Bühne gehen. „Wir wollen als Stadtgemeinde etwas unternehmen, damit die Schwechater nicht unbedingt nach Wien auspendeln müssen“, erklärt sie ihre Beweggründe für die Jobmesse. Insgesamt haben 4.272 Schwechater ihre Arbeitsstelle nicht in ihrer Heimatstadt. Gleichzeitig ist die Zahl jener, die in der Braustadt leben und arbeiten, mit 8.602 oder der Binnenpendlerquote von 33,6 Prozent am höchsten. Dahinter rangiert die Bezirkshauptstadt Bruck mit 3.557 Erwerbstätigen am Wohnort oder 32,7 Prozent.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform Addendum der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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