Archäologie: Keine Frostpause in Carnuntum. Auch im Winter laufen die Forschungsarbeiten weiter. Die Straßenmeisterei Bruck hilft mit.

Von Josef Rittler. Erstellt am 16. Februar 2018 (03:19)
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Auch im Winter ruhen die Arbeiten in der antiken Donaumetropole nicht: die Straßenmeisterei unterstützt die Archäologen.

„Die Forschung geht weiter“, berichtet Franz Humer, Leiter der Ausgrabungen in Carnuntum. Neben der Aufarbeitung der umfangreichen Funde in der Kulturfabrik und laufenden Untersuchungen mit Bodenradar werden letzte Grabungsarbeiten im Wohnstadtviertel durchgeführt. „Hier ist besonders der Südteil der villa urbana zu erwähnen“, so Humer.

Die Straßenmeisterei Bruck unter Leitung von Felix Böhm hilft weiters bei den Vorarbeiten für die diesjährige Saison mit: so konnte bereits die Grabungsfläche der letzen Jahre aufgefüllt werden, nun soll die oberste Bodenschicht mit Spezialgeräten abgetragen werden. Damit können die Archäologen je nach Witterrung ab März oder April die freiliegenden historischen Schichten untersuchen. „Diese Zeit- und Kostenersparnis ist natürlich enorm“, sagt Humer.

Die Straßenmeisterei ist bereits seit 1997 in Carnuntum tätig und half bei der Drainagierung und dem Wiederaufbau der sogenannten „Südstraße“. „Das beweist, wie wichtig die Zusammenarbeit von scheinbar völlig unterschiedlichen Landesstellen ist. Gerade unsere Kooperation stellt ein gelungenes Beispiel der Vernetzung einzelner Dienststellen innerhalb des Landes NÖ für einen wissenschaftlich wertvollen und publikumswirksamen Zweck dar.“

Auf die Bautechnik wurde geachtet

Die Abteilung für Kunst und Kultur des Landes NÖ kümmert sich seit vielen Jahren um die wissenschaftliche Aufarbeitung und zeitgemäße Präsentation des archäologischen Erbes der Römerstadt Carnuntum.

Meilensteine waren etwa der Bau von „Haus I“ als erste präzise Teilrekonstruktion in Österreich mit einem nach römischen Vorbildern angelegten Garten, die Rekonstruktion eines Privathauses („Haus des Lucius“) sowie der Nordbereich einer römischen Stadtvilla (villa urbana) und einer römischen Badeanlage. Alle Nachbauten sind voll funktionstüchtig und wurden mit Originalmaterial oder nach alten Verfahren hergestellten Materialien über den unversehrt darunter liegenden Originalresten errichtet.

Auch auf die Bautechnik wurde geachtet und nur überlieferte römische Werkzeuge verwendet. Carnuntum hat daher als erste archäologische Stätte in Europa, noch vor der Akropolis in Athen, 2014 „das Europäische Kulturerbesiegel“ von der Europäischen Kommission erhalten.

Das Interesse ist ungebrochen: Spätestens seit der Landesausstellung 2011 mit fast 560.000 Besuchern stellt Carnuntum eine der wichtigsten Tourismusdestinationen zwischen Wien und Bratislava dar.