Abgesang auf den Qualm im Bezirk Bruck

Erstellt am 06. November 2019 | 04:57
Lesezeit: 4 Min
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Verärgert über das Rauchverbot: Thomas Buxbaum, Wolfgang Fröhlich, Rudolfine Lirsch und Gottfried Roggenbauer im Brucker „CaféNiki“.
Foto: Rittler
Vor allem die Wirte von Bars und Cafés fürchten um ihre Kunden. In den Speiselokalen wird das Verbot befürwortet.
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Schwer verstimmt über das Rauchverbot ist Rudolfine Lirsch, Chefin des „Café Niki“ in der Brucker Kirchengasse: „Ich bin dagegen, weil mehr als achtzig Prozent meiner Stammgäste Raucher und über das Verbot verärgert sind. Ich befürchte, dass sie jetzt nicht mehr oder nicht mehr so häufig vorbeischauen.“

Die Gäste müssen jetzt zum Rauchen vor die Tür gehen, wo ein kleiner Tisch mit Aschenbecher und Hockern für ein Mindestmaß an Bequemlichkeit sorgt. „Viele sind gern auf einen Kaffee und eine Zigarette hereingekommen, das wird sicher weniger werden“, macht einer der besagten Stammgäste seinem Ärger Luft. „Ich stelle mich doch nicht wie ein Lausbub vors Lokal, um zu rauchen!“

"Es gibt mehrere Möglichkeiten"

Xandl Vavrovec, Inhaber des erst vor Kurzem in Hainburg eröffneten Lokals „X’erl“, ist ebenfalls erbost. Wie er konkret damit umgehen will, weiß er noch nicht. „Es gibt mehrere Möglichkeiten. Die erste wäre, um 24 Uhr ist offiziell Sperrstunde. Und danach kann geraucht werden. Wäre eine Möglichkeit.

Abgesehen davon, so viele Raucher wie möglich vor die Tür stellen und Party machen. Irgendwer regt sich sicher auf.“ Mögliche Strafen fürchtet er nicht. „Wenn sich ein Herr Junker als EU-Parlamentspräsident die Rauchmelder im Büro abklebt, um rauchen zu können, und unser Bundespräsident ein eigenes Raucherkammerl in der Hofburg hat, leg‘ ich es drauf an.“

Wenn unser Bundespräsident ein eigenes Raucherkammerl in der Hofburg hat, leg‘ ich es drauf an.“ Xandl Vavrovec, Wirt des „X‘erl“ in Hainburg

Der Sarasdorfer Franz Ehn, selbst Raucher, ist grundsätzlich für ein Rauchverbot in Lokalen, in denen Speisen konsumiert werden. In Bars oder Cafés würde ihn eine Zigarette allerdings nicht stören, immerhin halte man sich dort nur kurz auf. „Wenn man Rücksicht auf Nichtraucher nehmen will, hätte man auch eine andere Lösung finden können“, so Ehn.

Othmar Steurer, ebenfalls aus Sarasdorf, ist Nichtraucher. Dem Rauchverbot kann er aber trotzdem nichts abgewinnen. „Leute, die rauchen wollen, sollen rauchen können“, betont er. Die bisherige Regelung – die Trennung in Raucher- und Nichtraucherbereich – hätte in seinen Augen nicht geändert werden müssen.

Die „Jazzcats“ in Schwechat riefen am Donnerstag, 31. Oktober, zum „Letzten Tag des Rauchens in der Gastronomie“ und luden ein, diesen beim Jazzdonnerstag im Himmel (1. Stock) des Gasthaus Felmayer zu zelebrieren. Im ziemlich verrauchten Lokal pafften die Musiker und Musikliebhaber dicke Zigarren und rauchten demonstrativ eine Zigarette nach der anderen. Sogar das Line-Up der Songs fand seinen Schwerpunkt im „Smoke“. Jazzcats-Obmann Reinhard Kralik ist gegen das Rauchverbot. „Der Wirt sollte sich aussuchen dürfen, wie er das handhaben will“, ist seine Meinung. Jazz und Rauchen gehöre laut Kralik einfach zusammen und er hofft darauf, dass die Jazzdonnerstag-Besucher dem Musikklub trotz Rauchverbot die Treue halten. Auch die Musik selbst werde dadurch zerrissen, so Kralik.

„Denn wenn der Schlagzeuger alle 15 Minuten ins Freie geht, um zu rauchen, fehlt er einfach in der Band und alle müssen auf ihn warten.“ Gastwirt Thomas Aschenbrenner führt seit Jahren das Gasthaus Felmayer in Schwechat. Er meint, man müsse das Thema differenzierter sehen. Für den Speisebetrieb sei das Rauchverbot „weltklasse“, Sein Gasthaus sei aber ein Mischbetrieb und im Café oder im „Himmel“ sei diese Einschränkung nicht optimal. Seiner Meinung nach können sich Servicemitarbeiter ja aussuchen, wo sie arbeiten wollen.

Manuela Schwarz, Chefin des Restaurants „klein&fein“ in Velm, schlägt in die selbe Kerbe. Schon bisher gab es zu Mittag und am Wochenende Rauchverbot im Lokal, um die Gäste beim Schmausen nicht mit Qualm zu belästigen. Bei den abendlichen Stammtisch-Runden des Sparvereins oder der Kartenspieler durfte aber geraucht werden. „Nun ist die Gemütlichkeit weg“, meint Schwarz. Und mit ihr ein erklecklicher Umsatz, befürchtet die Wirtin.

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