Eisenbahn wartet auf die Schüler. ÖBB beobachten Fahrgastzahlen. Normalbetrieb erst mit Vollbetrieb der Schulen wahrscheinlich.

Von Nicole Frisch und Susanne Müller. Erstellt am 29. April 2020 (06:02)
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In Wilfleinsdorf wurde vor Kurzem erst der Bahnsteig erneuert. In den nächsten Jahren sollen weitere Haltestellen im Bezirk barrierefrei werden
ÖBB/Christian Zenger

„Die Zugverbindungen sind im Moment schlecht. Weil ich meine Arbeitszeit einhalten muss, fahre ich jetzt mit dem Auto“, erzählt Monika Beigelbeck. Die Mannersdorferin pendelt seit 25 Jahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wien. Aufgrund der Coronakrise arbeitet sie derzeit im Homeoffice. Wenn sie dennoch ins Büro nach Wien muss, ist sie nun aber auf das Auto umgestiegen. Angst vor einer Ansteckung habe sie jedenfalls nicht.

Die U-Bahn in Wien hat sie schon genutzt. „Alle haben Abstand gehalten und eine Maske getragen. Das hat gut funktioniert“, berichtet sie. Die Mannersdorferin hofft trotzdem, dass sie bald wieder normal die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann. Denn: „Ich bin eine begeisterte Pendlerin“, lässt sie wissen.

Damit spricht sie genau das an, was die Länder Niederösterreich und das Burgenland derzeit von den ÖBB und dem Ministerium fordern. Nämlich, dass nach den ersten Geschäftsöffnungen auch eine raschere Normalisierung des Bahnangebots in der Ost-Region nötig sei. „Schon nach den ersten Lockerungen konnten wir einen Anstieg im Pendlerverkehr verzeichnen. Das führt vor allem auf den Hauptstrecken dazu, dass der gebotene Mindestabstand in der Hauptverkehrszeit nur bedingt eingehalten werden kann. Mit der Öffnung aller Geschäfte ab Anfang Mai verschärft sich diese Situation nochmals“, ist VP-Landesrat Ludwig Schleritzko, ebenso wie sein burgenländisches SP-Pendant überzeugt. Die Prämisse müsse sein: „Höchstmögliche Sicherheit für alle“, appellieren Schleritzko und Heinrich Dorner an die ÖBB und das Verkehrsministerium.

Der Hintergrund: Damit der Mindestabstand eingehalten werden kann, sollte die Auslastung der Züge nur bei maximal 50 Prozent der eigentlichen Kapazitäten liegen. Derzeit steht nur die Hälfte des normalen Angebots in der Hauptverkehrszeit zur Verfügung. Das Fahrgastaufkommen liege laut Ländern bei etwa 25 Prozent. Seit 14. April nehme die Zahl der Pendler pro Tag um rund fünf Prozent zu. Die Länder argumentieren daher, dass es keine Kapazitätsreserven für mehr Pendler gebe. Betroffen sei in unserer Region vor allem die Ostbahn-Strecke.

Bei den ÖBB betont man auf NÖN-Anfrage, dass man die Fahrgastentwicklungen beobachte und laufend in Kontakt mit dem Bund und den leistungsbeauftragenden Verkehrsverbünden stehe. „Aktuell besteht ein Fahrgastrückgang von 80 bis 90 Prozent“, erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Sollte es am Montag, den 4. Mai durch das Ende der Ausgangsbeschränkungen zu einem erhöhten Fahrgastaufkommen kommen, könne man sich „in Abstimmung mit unseren Partnern – sofern die daraus entstehenden Kosten gedeckt sind – eine Frequenzsteigerung im Nahverkehr vorstellen“, so Seif.

Mit einem Regelbetrieb im Nah- und Regionalverkehr sei aber eher erst dann zu rechnen, wenn die Schulen wieder vollständig geöffnet sind. „Denn Schülerverkehre machen beispielsweise in den ländlichen Regionen einen Großteil der Bus- und Bahnverkehre aus. Im Fernverkehr wird es bis auf Weiteres weiterhin zu Einschränkungen kommen“, so Seif.

Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) präsentierte in der Vorwoche Verhaltensregeln für die Öffi-Nutzung in Coronazeiten. Zurückhaltend gab sich die Ministerin auf die Frage, ob mit dem weiteren Hochfahren des gesellschaftlichen Lebens ab Anfang Mai Ticket- oder Zugangsbeschränkungen ein Thema wären. „Im Moment ist das kein Problem“, so Gewessler. Man müsse schauen, „wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt“.

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