Ein Garant für guten Wein: Rubin Carnuntum feiert 30er

Erstellt am 25. Mai 2022 | 04:46
Lesezeit: 4 Min
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Winzer-Präsident Robert Payr bei der Amtsübernahme 2006 (Mitte) mit seinen beiden Stellvertretern Horst Pelzmann und Franz Netzl.
Foto: NÖN
Winzer-Präsident Robert Payr spricht über Werdegang und Zukunft des Weinbaugebiets.
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Der Zweigelt „Rubin Carnuntum“ feiert als Gebietsmarke heuer sein 30-jähriges Jubiläum. Er hat sich vom Jungstar zum Klassiker entwickelt und ist heute die Visitenkarte des Gebiets. Das ist nicht zuletzt der Verdienst einer großen Gemeinschaft: die Carnuntiner Winzer, die vor 30 Jahren den Verein „Rubin Carnuntum Weingüter“ gegründet haben.

„Zu Beginn waren die Rubin-Weine in Stilistik und Geschmack noch sehr unterschiedlich“, erinnert sich Winzer Gerhard Seidl, einer der Gründerväter des Vereins. Im Laufe der Zeit näherte sich der Stil der rund 40 Weingüter immer mehr an, bis aus dem Rubin tatsächlich ein identitätsstiftender Wein für das ganze Gebiet wurde. Im Jahr 2006 hat der Höfleiner Winzer Robert Payr die Führung des Vereins übernommen.

NÖN: Was war damals der Auslöser, diesen einen gemeinsamen besonderen Wein zu kreieren?

Robert Payr: Begonnen hat alles in den frühen 80ern mit der Gründung des „Carnuntum Siegels“. Damit wurden junge, frische Grüne Veltliner ausgezeichnet. Unsere Väter waren damals ihrer Zeit voraus. Sie wollten Carnuntum als Weinbaugebiet bekannt machen. Auf diese erste Zusammenarbeit der Winzer folgte 1988 der „Primus Carnuntum“. Anfangs sogar gemeinsam gekeltert und abgefüllt, beteiligten sich insgesamt 70 Betriebe an der kollektiven Ausbau- und Vermarktungsmethode. So konnten auch sehr kleine Betriebe mitmachen. Das hat die Gemeinschaft ungemein gestärkt. Mit diesem Grundstein und der immer deutlicheren Rotweinkompetenz entstand 1992 der „Rubin Carnuntum“. Heute ist der Rubin ein Garant dafür, einen guten Wein mit nach Hause zu nehmen.

Was macht den „Rubin Carnuntum“ so besonders?

Payr: In all ihren Bemühungen um die Sorte haben die Carnuntiner Winzer:innen das Ziel, dem Zweigelt zu einem neuen, komplexen und dennoch feinen Ausdruck zu verhelfen. Als gemeinsame Klammer hat man sich für Carnuntiner Zweigelt auf den Ausdruck „kernig“ geeinigt. Damit soll die etwas kühlere Stilistik beschrieben werden, die Carnuntum etwa vom Burgenland unterscheidet.

Was war in den letzten Jahren die größte Herausforderung?

Payr: Das DAC System und die ersten Lagen. Daran haben wir 15 Jahre lang gearbeitet. Letzten Endes wurde mit 100 Prozent Zustimmung aller Mitglieder beschlossen, welche Sorten den Namen „Carnuntum“ in der Herkunftsbezeichnung tragen dürfen. Das war jahrelange Arbeit, die aber mit Einigkeit und Erfolg belohnt wurde.

Wie geht man als Winzer mit dem Klimawandel um?

Payr: Als „cool-climate“-Gebiet ist Carnuntum für den Klimawandel gewappnet. Die kühlen Winde, die durch die Brucker Pforte zwischen den Alpen und Karpaten durchströmen, lassen Klimasorgen noch nach hinten rücken. Durch die kalkhaltigen, tonigen Schichten im Unterboden, die vom pannonischen Urmeer hinterbliebenen Seen- und Flusslandschaften stammen und viel Feuchtigkeit speichern können, ist eine Bewässerung zumindest der Zweigeltreben nicht notwendig. Allein der vermehrte Niederschlag im Spätsommer treibt uns ein paar Sorgenfalten auf die Stirn. Hier kommen jedoch die Umstellung auf biologischen Anbau und das damit einhergehende verstärkte Blattmanagement zugute.

Was war Ihr persönliches Highlight in den letzten 30 Jahren?

Payr: Der größte Erfolg war sicher die Veranstaltungsreihe Carnuntum Experience mit der White Wine Fashion. Das hat das Selbstbewusstsein der Region unglaublich gepusht.

Was machte und macht die Gemeinschaft heute noch aus?

Payr: Der Verein ist nur durch die Gemeinschaft erfolgreich. Auch wenn jeder auf seinen Betrieb schauen muss, darf man das nie aus den Augen verlieren. Es geht nur gemeinsam. Unsere Väter haben Großartiges aus der Taufe gehoben. Mit diesem Erbe ist respektvoll umzugehen.

Was dürfen wir von den Carnuntiner Winzern in den nächsten Jahren erwarten?

Payr: Ziel ist es, mit unseren Topweinen international an die Spitze zu kommen und mehr Exporte zu lukrieren. Es soll keine Karte ohne Topweine aus Carnuntum drauf geben. Unser Weinbaugebiet ist geografisch begrenzt. Mit diesem Boden muss man behutsam umgehen. Wir können uns nicht ausdehnen und größer werden. Aber noch besser.

Wie lange werden Sie dem Verein noch als Präsident zur Verfügung stehen?

Payr: Solange, bis eine oder ein Revoluzzer kommt und mich absägt (lacht). Spaß beiseite. Diese Funktion entwickelt sich. Man muss sich das Vertrauen von allen Mitgliedern erarbeiten. Die Leidenschaft muss da sein. In unseren Reihen gibt es drei bis vier Leute, die das sofort übernehmen könnten. Es ist eine große Familie mit 40 Kindern. Am Ende des Tages muss der Präsident dafür sorgen, dass alle 40 das bekommen, was sie brauchen. Das ist keine leichte Aufgabe, aber eine schöne.

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