Bahngast: „Muss erst Unfall geschehen?“. Um in Bus umzusteigen, sind ÖBB-Fahrgäste gezwungen, ein ungesichertes Gleis in Petronell-Carnuntum zu überqueren. Bahn will Situation überprüfen.

Von Josef Rittler. Erstellt am 02. August 2020 (05:23)
Der Zug war bereits angefahren, konnte aber noch rechtzeitig bremsen. (Symbolbild)
Burggraf

Derzeit wird an der Oberleitung der Bahnstrecke S7 gearbeitet. Der deswegen notwendige Schienenersatzverkehr bringt manchmal Probleme mit sich.

„Meine Gattin und ich fuhren vergangene Woche mit dem Zug, der um 17.15 Uhr in Petronell-Carnuntum ankommt, von Wien nach Bad Deutsch-Altenburg“, schildert Wolfgang Reinisch aus Bad Deutsch Altenburg. Durch einen Postwurf der ÖBB sei er von Arbeiten und Ersatzverkehr informiert gewesen. „Wir wussten daher, dass wir in den Bus umsteigen müssen“, sagt Reinisch. „Das war auch gut so, denn kurz vor dem Erreichen des Bahnhofes Petronell-Carnuntum gab es eine Durchsage, vermutlich vom Lokführer, die einfach unverständlich war.“

Die Fahrgäste des Wiener Zuges mussten in Petronell-Carnuntum das Gleis neben dem Bahnhof überqueren, um den Vorplatz des Bahnhofes zu erreichen. „Auf diesem Gleis stand schon der Zug Richtung Wien, der sich in Bewegung setzte, ohne dass ein Zeichen gegeben wurde oder der Übergang abgesichert wurde und obwohl bereits Fahrgäste die Schienen überquerten“, berichtet Reinisch. Der Zug hätte ruckartig abgebremst. Der Lokführer habe dann sein Fenster geöffnet und gerufen „Wartet’s a bissl!“. Ein ähnlicher Fall hätte sich laut Bericht eines anderen Fahrgastes schon einmal ereignet.

Reinisch sah einen ÖBB-Mitarbeiter den Bahnsteig entlangkommen. „Wäre es nicht dessen Aufgabe gewesen, den Übergang der Fahrgäste über das Gleis zu sichern? Muss erst ein Unfall geschehen, bis ordentlich abgesichert wird?“ Reinisch wird dennoch der Bahn treu bleiben. „Trotz aller ,Hoppalas‘, die bei der ÖBB passieren, bin ich doch ein begeisterter Bahnfahrer.“

Die ÖBB will den Vorfall untersuchen. „Grundsätzlich darf ich versichern, dass die ÖBB höchste Sicherheitsstandards haben und diese im Rahmen ihres Modernisierungsprogramms laufend verbessern“, erklärt Bahn-Sprecher Christopher Seif. „Wir werden die Situation überprüfen und verifizieren, ob alles vorschriftsgemäß abgelaufen ist und eventuell Optimierungsmöglichkeiten bestehen.“