Leben für Altarme der Donau. Die Au hat mit Wassermangel zu kämpfen. Eine bessere Verbindung mit dem Hauptstrom soll hier Abhilfe schaffen.

Von Josef Rittler. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:12)
Die Idylle ist trügerisch: ohne bessere Verbindungen zur Donau werden die weiten Wasserflächen zunehmend seichter und schließlich austrocknen.
Rittler, Rittler

Den Nebenarmen der Donau östlich von Wien fehlt die ausreichende Wasserzufuhr. Mit einem großen Flussbau-Projekt zwischen Haslau-Maria Ellend und Regelsbrunn will die viadonau diese Gewässer wieder stärker mit dem Hauptstrom verbinden. 

Der überwiegende Teil dieser Auenlandschaft wurde 1989 von der Umweltschutzorganisation WWF mit Spendengeldern erworben und wird seit 1996 vom Nationalpark Donau-Auen verwaltet. „Die Regelsbrunner Au zählt zu den ökologisch wertvollsten Nationalparkteilen. Sie wurde einst durch die WWF-Aktion ,Natur freikaufen‘ als Schutzgebiet gesichert und legte einen Grundstein für die Gründung des Nationalpark Donau-Auen im Jahr 1996“, erklärt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.

Die in diesem Bereich geplante Gewässervernetzung sei wichtig für den Erhalt intakter Natur. „Sie wird vermehrt Wasser in die Au bringen und so die Lebensräume für Fische, Amphibien, Eisvögel und Seeadler erhalten.“ Auch die Bedingungen für die spezielle Vegetation von offenen Schotterflächen werde verbessert. „Deshalb ist das Projekt aus Nationalparksicht ein weiterer Meilenstein im ökologischen Wasserbau“, führt Klauser aus. Konkret sollen dabei harte Uferverbauungen entfernt, Treppelwege zum Teil abgesenkt und Einströmöffnungen zwischen Donau und Altarm hergestellt werden.

Auf den ersten Blick sehe die Aulandschaft noch intakt aus. „Die niedrige Geländehöhe führt zu regelmäßigen Überflutungen und auch ein frühes Renaturierungsprojekt aus den 1990er Jahren sorgt für einen vergleichsweise naturnahen Auwald“, heißt es in einem Informationsschreiben der viadonau. Die vermeintliche Idylle an den Nebenarmen sei allerdings trügerisch, denn das System verlande zusehends.

„Die Verbindung zur Donau wird von Jahr zu Jahr schwächer, die Gewässer immer kleiner und seichter“, stellen die viadonau-Experten fest. Ein Vergleich: Floss laut viadonau 2009 noch an etwa 200 Tagen im Jahr Wasser von der Donau in die Nebenarme, so war dies 2014 nur noch an 140 Tagen der Fall, und die Zahl nimmt immer noch stetig ab. Die Auswirkungen auf die Tierwelt seien dramatisch. „In heißen Sommern kommt es vermehrt zu Fischsterben, einer starken Erwärmung des Wassers und zu übermäßigem Algenwachstum im Nebenarm.“ Waren 2007 bei den offiziellen Erhebungen noch knapp 250 Kilogramm Fische pro Hektar vorhanden, lag der Wert 2016 nur mehr bei 88 Kilogramm. 50 kg pro Hektar ist der EU-Grenzwert für den guten ökologischen Zustand eines Gewässers. Eine bessere Anbindung an den Hauptstrom könnte Fischen wieder „eine ideale Kinderstube“ bieten. 

Derzeit befindet sich die Gewässervernetzung in der Detailplanungsphase. Es wurden Probeschürfungen zur Erkundung der Bauweise der Regulierungsbauwerke und des Untergrundes durchgeführt. Auf die Au als Erholungsraum für die Menschen soll ebenfalls Bedacht genommen werden. Ein erstes Konzept für das künftige Wegenetz wurde erstellt. Weiters sind die Einrichtung eines Naturbadeplatzes und von Raststationen vorgesehen.