Proteste gegen Kahlschlag . Umfangreiche Rodungen in Petronell-Carnuntum bringen Anrainer und Opposition auf die Barrikaden. "Maßnahmen waren unbedingt notwendig", entgegnet Bürgermeister.

Von Josef Rittler. Update am 10. März 2021 (18:47)

Kein schöner Anblick ist zur Zeit der Bereich hinter dem Sportplatz der Marktgemeinde Petronell-Carnuntum: entlang der Wege wurden die meisten Bäume gefällt und Sträucher gerodet.

Bürgermeister Martin Almstädter
privat

Spaziergängern kommen beinahe die Tränen, die Anrainer sind erbost und auch die Opposition macht gegen die Rodungen mobil. "Im Gemeindevorstand haben wir Pflegemaßnahmen beschlossen.  Jetzt wird großflächig umgeschnitten, auch gesunde Bäume werden gefällt, das ist sicher nicht notwendig", kommentiert Gemeinderat Leo Weber (VP) gegenüber der NÖN. Die Volkspartei fordert einen sofortigen Stopp der Rodung und Beratung darüber im Gemeinderat. "Wir werden diesen Punkt zum Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung machen und erwägen weitere Schritte", heißt es ein einer Aussendung. 

FPÖ-Obmann Oliver Küffe ist ebenfalls empört: "Es ist wirklich eine Schande, was hier geschieht. Bürgermeister Martin Almstädter und alle beteiligten Politiker, die das verbrochen haben, sollen zurücktreten."

„Bedingt durch die sehr strenge Bauwerkehaftung nach § 1319 ABGB, der die Grundlage für die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes bildet, musste die Gemeinde handeln“, entgegnet Bürgermeister Martin Almstädter (SP). Um eine Haftung etwa durch herabstürzende Äste zu vermeiden, müsse die Gemeinde nachweisen, den gebotenen Sorgfaltsmaßstab erfüllt zu haben. „Das ginge am leichteste mit einem Baumkataster. Leider wurden von meinen Vorgängern die Bereiche, wo gefällt werden musste, nicht in den Baumkataster aufgenommen, sodass es zu keiner regelmäßigen Überprüfung kam“.

Diese hätte die Gemeinde nachgeholt. „Laut mir vorliegendem Bericht von 16. September 2020 wurde Gefahr in Verzug festgestellt.“ Gründe wären beispielsweise Risse, die zu einer Stammfäule führen, abnormer Wuchs, trockene Belaubung, Schädlings- oder Pilzbefall oder Totholz gewesen. „Jetzt, wo das Ausmaß der Sicherheits- und Pflegemaßnahmen erkennbar ist, wird mit einem Experten die Nachbepflanzung besprochen, diese im Gemeinderat beschlossen und im Herbst gestartet“, schildert Almstädter die weitere Vorgangsweise. Einstweilen könnten diese Flächen sich erholen. 

Proteste auch in Wildungsmauer

Auch in Wildungsmauer wird gegen die Rodung entlang des Wildbachs protestiert (die NÖN berichtete). "Forstpflege ja - Kahlschlag nein" heißt es auf einem Transparent, das  Anrainer und Grüne auf dem abgeholzten Gelände enthüllten. "Ich bin über das Ausmaß der Schlägerungen überrascht und mehr als irritiert", erklärt Andrea Arocker Aigner, deren Garten an die gerodete Fläche grenzt. Bei den Schlägerungen sei weder auf die Tierwelt ("viele Vögel beginnen jetzt mit dem Nestbau") noch auf die Beschaffenheit des Geländes Rücksicht genommen worden: "Die Bäume dienten auch der Hangsicherung, was ist, wenn der jetzt ins Rutschen kommt?" 

Bürgermeister Leopold Zwickelstorfer (VP) verweist auf die Notwendigkeit der Maßnahmen, da zahlreiche kranke Bäume gefällt werden mussten. Außerdem werde das Gelände selbstverständlich wieder aufgeforstet.