Über 50 Ideen für Zukunftsprojekte präsentiert. Die Vorschläge aus dem Bürgerbeteiligungs-Gremium sollen im Herbst in einer Klausur des Regionalentwicklungsvereins aufgenommen werden.

Von Susanne Müller. Erstellt am 07. Juli 2021 (05:26)

Zwei Jahre arbeiten nun schon an die 70 Personen aus dem Römerland Carnuntum an der Zukunft der Region. Der Zukunftsrat erarbeitete zuerst gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur an einer Vision für die Region. Wie soll das Römerland Carnuntum im Jahr 2040 aussehen?

Gemeinsam, regional, innovativ lautet in Kurzfassung die Antwort. Das Leitbild, das die meiste Zustimmung bekommen hatte, zielt auf eine Region ab, in der achtsam mit Mensch und Natur umgegangen wird, aber auch mit Raum und Ressourcen, und in der Regionalität eine Stärke ist.

Nachdem Corona den Zukunftsrat in den letzten eineinhalb Jahren zu einem Umstieg auf Online-Treffen gezwungen hatte, fand nun in der Mannersdorfer Wüste nach langem das erste physische Treffen statt. Die Mitglieder des Zukunftsrats hatten dafür über 50 Projekte vorbereitet, die die Region ihrer Vision näherbringen sollen.

Bäume sollen öffentlichen Raum aufwerten

Im Zeitraffer – jede Kleingruppe hatte nur eine Minute Zeit dafür – wurden die vielfältigen Projektideen vorgestellt. Da war etwa das „Grüne Römerland Carnuntum“, in dem ungenutzte öffentliche Räume durch Baumpflanzungen in „qualitative öffentliche Räume“ umgestaltet werden sollen und ein strengerer Baumschutz angestrebt werden soll. Oder auch das Grüne Wohnzimmer, ein öffentlicher Grünraum für alle ohne Konsumzwang. Es gab auch die Idee für ein Projekt, das die Mobilität pflegender Angehöriger erhöhen soll.

Wir setzen den Hebel bei der Baukultur an. Die Gemeinden bekommen dadurch eine fachlich fundierte Entscheidungsgrundlage.“ Armin Haderer über den Pilot-Gestaltungsbeirat

Bereits in Ausarbeitung ist ein Mikro-ÖV-Projekt, das Wolfgang Palatinus der Runde vorstellte. Dafür fand am Montag bereits die Auftaktveranstaltung in Prellenkirchen statt.

„Ziel ist es, klimafreundliche Mobilitätsangebote zu schaffen, um die Mobilität bestimmter Personengruppen zu erhöhen“, erklärte Palatinus. Ebenfalls auf der Projektliste stand ein „Rad-Basisnetz für den Alltag“, das von Radlobby-Gründer und Arbeitskreis-Leiter Wolfgang Hohenauer präsentiert wurde.

Es fehle auf etwa 250 Kilometern an Infrastruktur. Sein Vorschlag wäre, dass sich die Gemeinden dafür zusammentun. Es gab aber auch Vorstöße, die Luftgüte in der Region zu messen und zu verbessern, oder aber auch, eine Erneuerbare Energie Gemeinschaft zu gründen. Thomas Mayer aus Bruck stellte etwa die Idee eines regionalen Logistik-Hubs vor, bei dem all die Zustellfirmen ihre Pakete abliefern.

Haydn-Academy zur Nachwuchsförderung

„Von dort kann man sie dann abholen“, oder, sollten sie doch zugestellt werden, die Lieferung mit dem Rad oder einem E-Auto durchführen, meinte Mayer. Aber auch aus dem Bereich Genuss und Kultur waren zahlreiche Projektideen dabei. Haydnregion-Leiter Michael Linsbauer schlug etwa die Installierung einer Haydn-Academy mit zwei- bis dreiwöchigem Campusbetrieb zur Nachwuchsförderung im Sommer vor. Bereits in Umsetzung ist ein Zusammenschluss von Landwirten rund um Andreas Speckl, die ihre Produkte gemeinsam vermarkten wollen.

Ebenfalls bereits weit gediehen ist der Gestaltungsbeirat, der aus der Regionsschmiede entstanden ist. Hierfür hat die Stadtgemeinde Hainburg bereits einen Pilotbetrieb gestartet. „Wir setzen den Hebel bei der Baukultur an. Die Gemeinden bekommen dadurch eine fachlich fundierte Entscheidungsgrundlage“, erklärte Hainburgs Stadtplaner Armin Haderer von „die Landschaftsplaner“.

Projekte sind realisierbar

Am Ende der Präsentationen wurden die vorgestellten Projektvorschläge von allen Anwesenden nach Realisierbarkeit, ihrem Beitrag zur Vision und der Kategorie Herzblut bewertet. „Es gab kein Plakat, das kein Pickerl bekommen hat“, freut sich Cornelia Fischer, Projektleiterin beim Römerland Carnuntum über das abschließende Stimmungsbild.

Die Projektideen sollen nun in einem nächsten Schritt im Herbst in eine Klausur der Vollversammlung des Regionalentwicklungsvereins mitgenommen werden. Dort, so Geschäftsführerin Gabriele Preisinger, sollen nämlich auch die Schwerpunkte für die neue Leader-Förderperiode festgelegt werden. „Da wird man dann schauen, welche Projekte man konkret umsetzen kann“, so Fischer.

Geplant ist im Oktober ein weiterer Zukunftsrat, bei dem von den Ergebnissen der Klausur berichtet werden soll. Das Forschungsprojekt mit der BOKU läuft jedenfalls noch bis Ende März. „Bei der zweiten Regionsschmiede soll noch definiert werden, wie es mit dem Zukunftsrat bzw. mit der Bürgerbeteiligung allgemein nach dem Ende des Forschungsprojekts weitergeht“, erklärt Fischer. Die Teilnahme ist noch möglich.

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