Schlepper aus Geldnot

Erstellt am 03. Dezember 2022 | 04:58
Lesezeit: 3 Min
Gericht Prozess
Foto: shutterstock.com
Weil sie die Miete nicht zahlen konnten, transportierte ein junges ukrainisches Paar sechs Syrer nach Österreich. In Rohrau gingen die Schlepper schließlich der Exekutive ins Netz.
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Die zwei Schlepper, die die Beamten am Nachmittag des 8. Oktober dieses Jahres in Rohrau dingfest machen konnten, entsprachen nicht ganz dem Bild, der sonst zu diesen Zwecken angeheuerten Personen. Es handelte sich um ein junges Paar aus der Ukraine, die versuchten, sechs Syrer von Rumänien aus über Ungarn nach Österreich zu schleusen. 300 Euro pro geschleppte Person sollten sie als Lohn für ihr kriminelles Tun erhalten.

Stattdessen ging es für den 23-Jährigen und die 28-Jährige von Rohrau direkt in Untersuchungshaft und von dort weiter ans Landesgericht Korneuburg. „Wie kommt’s dazu?“, wollte Richterin Anna Wiesflecker von dem Angeklagten wissen. Er habe auf Facebook einen Job als Fahrer gefunden und es hieß, er solle „Menschen befördern“. Bei einem Waldstück außerhalb einer kleinen Ortschaft in Rumänien, hätten sie die sechs Flüchtlinge aufgelesen. Aus Platzgründen verbrachten zwei Personen die Fahrt im Kofferraum des Fahrzeugs.

Nach dem Motiv für sein Tun von der Richterin gefragt, gab der 23-Jährige an, dass sie die Miete nicht mehr hätten zahlen können, und diese in wenigen Tagen fällig gewesen wäre. Obwohl er als Waldarbeiter arbeite, sei er von seinem Chef schon länger nicht bezahlt worden. Seine schwangere Freundin bestätigte die Geldnot, wollte aber damals nicht gewusst haben, dass es sich um etwas Illegales handle. „Menschen, die aus dem Wald kommen; was soll das sonst sein, als illegal“, zeigte Wiesflecker wenig Verständnis für die Unkenntnis.

Für die beiden Angeklagten sprach, dass beide bisher unbescholten waren – sowohl in ihrer Heimat als auch in Österreich –, und auch die unmittelbare geständige Verantwortung im Falle des 23-Jährigen sowie das reumütige Geständnis der 28-Jährigen bei der Verhandlung.

Das Urteil lautete schließlich jeweils auf 18 Monate Freiheitsstrafe, wovon sechs Monate unbedingt zu verbüßen sind. Was auch bedeutet, dass das gemeinsame Kind möglicherweise in einer Justizanstalt zur Welt kommt.

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