Bruck/Leitha: Aus Ruine wird Baujuwel. Nach einer umfassenden Renovierung ist die Burg ein „Haus der Generationen“ geworden.

Von Josef Rittler. Update am 20. August 2020 (11:23)

Ein Wahrzeichen in der Innenstadt feierte seine Auferstehung: Die umfassend renovierte „Burg“ empfing ihre Mieter. Landtagspräsident Karl Wilfing (VP) überreichte gemeinsam mit Bürgermeister Gerhard Weil (SP) und Christof Anderle (Geschäftsführer der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp) an Helga Eisterer als erster Mieterin den Schlüssel zu ihrer neuen Wohnung.

Das mächtige Gebäude blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück und war im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgebaut worden (siehe Seite 8). Nun ist die Burg ein „Haus der Generationen“ mit 34 Wohnungen, einem Kindergarten mit fünf Gruppen und der Praxis von Kinderarzt Matthias Meissel.

Es hat viele Ansätze für die Burg gegeben, einer der schönsten ist es geworden“ Landtagspräsident Karl Wilfing (VP)

In seiner Eröffnungsrede bei der Schlüsselübergabe ging Bürgermeister Gerhard Weil auf die jüngere Geschichte der Burg ein. Die Stadt hatte das Gebäude im Jahr 1991 gekauft. Nach einer Sanierung sollten unter anderem Wohnungen, ein Ärztezentrum und eine Parkgarage auf dem Gelände Platz finden. In den folgenden Jahren gab es wechselnde Konzepte, wie man Gebäude und Areal verwerten könnte. „1997 schloss die Stadtgemeinde einen Baurechtsvertrag zur Sanierung des Burggebäudes ab“, schilderte Weil. „In den folgenden Jahren stellte man unzählige Überlegungen an, wie man den Komplex verwerten könnte. „Darunter waren auch Projekte wie ein Behörden- und Dienstleistungs-Zent-rum sowie ein Vier-Sterne-Winzerhotel“.

Alle Konzepte verschwanden aber wieder in der Schublade, obwohl sogar 2008 eine Spatenstichfeier für das Winzerhotel abgehalten worden war, an der neben der damaligen Bürgermeisterin Christa Vladyka (SP) auch Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) teilgenommen hatte. „Beim Spatenstich sollte es allerdings auch bleiben und das Projekt wurde aus diversen Gründen nicht realisiert. Mehr als zwölf Jahre lang verhüllte ein Stahlbaugerüst mit blauem Netz die Außenmauern der Burg und war so ein ständiger ,Begleiter‘ für die Brucker auf dem Weg in die Innenstadt“, sagte Weil. Erst 2017 sei zusammen mit der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp und dem Bundesdenkmalamt eine Lösung gefunden worden – eben das „Haus der Generationen“. Die Arthur Krupp investierte in dieses Projekt rund 13 Millionen, die Stadtgemeinde beteiligte sich mit rund 3,5 Millionen für den Kindergarten.

„Vor vierzehn Jahren habe ich die Burg erstmals gesehen, und konnte mir nicht vorstellen, was in diesen maroden Mauern schlummert“, erklärte Anderle. Von den 34 Wohnungen seien alle bis auf eine schon vergeben. Es sei dank Förderungen leistbarer Wohnraum geschaffen worden. „Für Bruck ist der Abschluss der Renovierungsarbeiten ein historischer Moment“, meinte Wilfing. Es sei vieles geplant worden und es hätte auch viele Ansätze gegeben, einer der schönsten sei es geworden. In Anspielung auf die Geschichte des Hauses könnten die künftigen Bewohner je nach persönlicher Einstellung sagen „ich wohne in der Burg“ oder „Ich bin im Kloster daheim“.

Im Anschluss an die Festreden wurde die Burg vom römisch-katholischen Pfarrer Erich Waclawski und vom evangelischen Pfarrer Jan Magyar gemeinsam gesegnet.