Biker-Club: „Mit Hirn statt dem Gashebel“

Im Vorjahr gab es rund 50 Unfälle mit Motorrädern im Bezirk Bruck. Für den Biker-Club sind Sicherheitstrainings daher sehr wichtig.

Gerald Burggraf
Gerald Burggraf Erstellt am 30. Juni 2021 | 04:03
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Beim Fahrsicherheitstraining für Motorräder des PSV Schwechat werden die Grundtechniken ins Gedächtnis gerufen.
Foto: PSV, PSV

Nach den Einschränkungen des Lockdowns laden die sommerlichen Temperaturen wieder zum Zweiradfahren ein. Im Landesklinikum konnte trotzdem keine Zunahme an Unfallopfern verzeichnet werden. Damit das so bleibt, sind eine gute Schutzausrüstung, eine technische Überholung des Zweirads nach der Winterpause und regelmäßige Fahrsicherheitstrainings wichtig, betont der Leiter der Orthopädie und Traumatologie am Landesklinikum Hainburg, Oberarzt Christian Sebök: „Ich bin selbst begeisterter Motorradfahrer und rechne immer mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer. Ich fahre daher immer vorausschauend und passiv - denn die Knautschzone des Motorradfahrers beginnt an der Nasenspitze!“

„Das Wichtigste für Motorradfahrer ist, vorausschauend zu fahren und den Verkehrsteilnehmer vor einem immer im Blick zu haben“, weiß auch Andreas Sterba. Für den Präsident des Schwechater Biker-Clubs „Die Echtn“ geht daher nichts über Sicherheit.

Biker müssen doppelt so gut aufpassen

„Wir müssen doppelt so gut aufpassen“, unterstreicht er. Laut der interaktiven Verkehrsunfallkarte der Statistik Austria gab es im Bezirk im Vorjahr rund 50 Unfälle mit Motorrädern. Essenziell ist daher aus Sterbas Sicht das jährliche Fahrsicherheitstraining am Rübenplatz neben der B10 kurz nach Schwechat. Organisiert wird es stets im Mai zum Biker-Saisonstart vom Polizeisportverein Schwechat (PSV). Dessen Obmann Walter Schaffer hebt ebenfalls die Bedeutung hervor.

„Wir haben 2004 damit angefangen, nachdem es ein Jahr zuvor extrem viele schwere Motorradunfälle gab“, erzählt er. Die Teilnehmerzahl hat sich von 35 auf 340 emporgeschraubt – ein Viertel davon sind mittlerweile Frauen. Rund 60 Absolventen kommen zudem jedes Jahr aus den Nachbarländern Slowakei, Tschechien oder Ungarn.

„Wir trainieren die Grundtechniken, weisen aber auch grundsätzlich auf Themen der Verkehrssicherheit hin. Und wir weisen auch darauf hin, wenn wir sehen, dass das Motorrad zu groß ist“, erklärt Schaffer. Viele Teilnehmer würden sich erst nach dem Training wieder auf die Straße wagen. Generell ist das Ziel: „Mit Hirn fahren und nicht mit dem Gashebel.“

Fahrverhalten üben und auffrischen

Der Organisationsaufwand ist hoch, alleine beim dreitägigen Training braucht es 20 Helfer. Die Kosten sind mit einer reinen Aufwandsentschädigung von 30 Euro überschaubar. Für Mitglieder der „Echtn“ übernimmt der Club sogar zwei Drittel. „Es wichtig aufzufrischen, wie sich ein Motorrad und Mensch in Gefahrensituationen verhalten. Das vergisst man im Laufe des Jahres“, weiß „Präsi“ Andreas Sterba, der selbst jährlich 10.000 bis 15.000 Kilometer am Bike zurücklegt. Darüber hinaus haben die „Echtn“ bereits drei Mal einen Erste-Hilfe-Kurs organisiert – „damit wir auch anderen helfen können.“

Tatsächlich sind die Motorrad-Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden oder gar starben, laut Polizei im letzten Jahr österreichweit zurückgegangen, und zwar um 12,8 Prozent auf 3.553 Fälle. Einen Anstieg gab es bei den Fahrrad-Unfällen um 17,4 Prozent auf 9.308 Fälle im Vergleich zu 2019. Für den Bezirk gebe es keine derartige Aufschlüsselung. „Ich schätze aber, dass es hier ähnlich gelagert ist“, sagt Bernhard Jarius vom Bezirkspolizeikommando. Anzumerken sei allerdings, dass während des ersten Lockdowns auf den Straßen sehr viel weniger los war.

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