Hainburg: Streit um Ex-Freundin endete vor Gericht. Hainburger von Schulkollegen als Drogendealer verunglimpft. Richterin sah Anschuldigung als haltlos an – Freispruch.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 19. August 2020 (05:55)
Symbolbild
The Adaptive/Shutterstock.com

Ja, er habe seit 2017 in unregelmäßigen Abständen Cannabis konsumiert, gestand ein 26-jähriger Hainburger. Und als er 2019 geschnappt wurde, hatte er zwei Gramm bei sich. Aber dass er mit einem ehemaligen Schulkollegen, ebenfalls aus Hainburg, fast jede Woche in Bratislava Cannabisblüten und Pico – eine Art Crystal Meth– besorgt, um es in seiner Heimatstadt wieder zu verkaufen, stritt er ab. Viele der Drogen soll er an eine 25-jährige Ex-Schulfreundin abgegeben haben. Was der Angeklagte ebenfalls abstritt. In der Vorwoche stand er nun vor dem Landesgericht in Korneuburg.

Die Anschuldigungen stammen alle vom „Komplizen“: Dieser gab gegenüber der Polizei an, selbst maximal ganz kleine Mengen Drogen gekauft zu haben. Sonst habe er hauptsächlich im Auto gewartet, während der Angeklagte seine Geschäfte betrieben hätte. „Der will sich nur rächen, weil ich mit seiner Exfreundin im Dezember 2018 auf einem Konzert im Waldviertel war“, kontert dieser. Da habe der Schulfreund ihm eine Drohnachricht geschickt, dass er den Männerehrenkodex breche, wonach man nicht die Freundin eines Freundes anbaggere und angekündigt: „Ich werde einen Stein ins Rollen bringen, den ihr alle nicht mehr stoppen könnt.“

Ein ähnliches Bild zeichnet auch die 25-Jährige als Zeugin: „Ich bin sprachlos“, kommentierte sie die Anschuldigungen, sie habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt, hätte auch nicht das Geld, um das alles, was der Hainburger behauptet hatte, zu finanzieren. Natürlich kenne sie den Tippgeber, man sei zusammen in die Schule gegangen, sie habe aber den Kontakt zu ihm abgebrochen: „Er ist ein Mensch, der mit Abweisungen nicht umgehen kann, ein Typ, der glaubt, dass er Frauen überall hingreifen darf. Mit dem will niemand was zu tun haben!“

Vor Gericht wiederholen konnte der Hainburger seine Vorwürfe nicht: Denn laut Polizei ist er unauffindbar.

Richterin Astrid Raufer stufte die Vorwürfe als haltlos ein, er scheue nicht einmal davor zurück, eine unschuldige junge Frau in die Sache mit hineinzuziehen. Sie sprach den 26-jährigen Hainburger vom Drogenhandel und Drogenschmuggel-Vorwurf frei, den Drogenkonsum trat sie an das Bezirksgericht Bruck für die Umsetzung einer Diversion ab.