Sieben Stunden Fahrt für eine Hilfsaktion. Spenden geliefert / Rohrauer fuhr mit Konvoi nach Bosnien, um den Opfern des Hochwassers lebensnotwendige Güter zu übergeben.

Von Cynthia Kirchhauer. Erstellt am 28. Mai 2014 (09:37)
Käthe Hipfinger, Josefine Hipfinger, Sreto Baritz, Bürgermeister Herbert Speckl, Jela Boderistanac, Anto Boderistanac, die Helfer Zoran, Peter sowie Attila Magich, Ivanko Bariz und Thomas Hipfinger vor der Abfahrt nach Bosnien am Samstagmorgen.
NOEN, Cynthia Kirchhauer
ROHRAU / Anto Boderištanac bezeichnet sich selbst als Kroate aus Bosnien. 1991 herrschte Krieg in Bosnien und Boderištanac war aufgerufen worden, in den Kampf zu ziehen. Daraufhin floh er nach Österreich. Am Wiener Südbahnhof verbrachte er einige Zeit ohne Essen und nur wenigen Tropfen zu Trinken.

„Das, was ich in meinem Rucksack trug, war alles was ich noch besaß“, so der ehemalige Flüchtling. Nach dieser Tortur reiste er weiter nach Neusiedl, wo er bald seine Arbeitsbewilligung erlangte. Im Jahr 1999 machte er sich mit seiner Firma AB-Bau selbstständig. Viele Verwandte Boderištanacs blieben im ehemaligen Kriegsgebiet. Seine Schwiegereltern und einige Freunde leben sogar mitten im momentan überschwemmten Teil Bosniens.

„Einer meiner Helfer wollte in sein Heimatdorf fahren, konnte aber leider nicht. Dort ist das Wasser schon schwer verseucht“, erzählt Anto Boderištanac.

Vor etwas mehr als einer Woche fuhr der seit 2000 in Rohrau lebende mittlerweile österreichische Staatsbürger mit Sandsäcken und Trinkwasser nach Bosnien, um die Hochwasseropfer aus der Ortschaft Orasje zumindest ein wenig zu unterstützen. Nachdem Boderištanac die dort vorherrschenden Zustände und den Mangel an etlichen lebensnotwendigen Gütern kaum fassen konnte, beschloss er ein weiteres Mal nach Bosnien zu fahren, um den Betroffenen mehr Spenden zu liefern.

Anfang der vergangenen Woche machte der Rohrauer seine Idee bekannt, welche sofort über die soziale Plattform „Facebook“ im Internet verbreitet wurde. Innerhalb von fünf Tagen stellte der gebürtige kroatische Bosnier aus dem „Nichts“ mit großer Unterstützung des Roten Kreuzes eine riesige Spendenaktion auf.

„Der Zustand in der betroffenen Region ist katastrophal“

Am Samstag kümmerten sich die Helfer um noch ausstehende Papiere, um sich dann sogleich auf den Weg ins Katastrophengebiet zu machen. An der Grenze zu Bosnien wurde der Konvoi eingehend überprüft, wie Boderištanac berichtet. Grund für die Kontrollen wurde ihnen keiner genannt. Glücklicherweise kam ihm ein Konvoi von Feuerwehrfahrzeugen aus St. Pölten zur Hilfe, mit dem sich der Baumeister dann gemeinsam auf den Weg machte.

Zurück vom Hochwassergebiet hält Boderištanac fest: „Der Zustand in der betroffenen Region ist katastrophal. Teilweise kann das Wasser nicht abfließen.“ Dafür verantwortlich sind etliche Dammbrüche, die nur notdürftig gekittet werden konnten. „Einer meiner Helfer wollte in sein Heimatdorf fahren, konnte aber leider nicht. Dort ist das Wasser schon schwer verseucht“, erzählt Anto Boderištanac.