Literarischer Abend: Totengräber im Doppelpack

Erstellt am 24. Juli 2022 | 05:39
Lesezeit: 2 Min
440_0008_8419934_gre29ku_schlembach_und_jagsch.jpg
Schriftsteller Mario Schlembach mit Musikerin Marilies Jagsch neben Biljan-Bilgers Skulptur „Zuneigung“.
Foto: Otto Havelka
Schriftsteller Mario Schlembach präsentierte in Sommerein seinen dritten Roman im Duett mit Musikerin Marilies Jagsch.
Werbung

Es war wohl eine der seltenen Buchpräsentionen in der Biljan-Bilger Ausstellungshalle, die das Publikum scharenweise anzog, wie am vergangenen Samstag. Und auch am Tag darauf lockte das gleiche Programm viele Zuhörer in den Brucker Harrachpark.

Das literarische Aushängeschild der Region, der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Mario Schlembach las aus seinem kürzlich erschienenen dritten Roman „heute graben“. Doch die Buchpräsentation wäre nur halb so spannend gewesen, wenn nicht auch seine Lektorin, Musikerin und Sängerin Marilies Jagsch mit an Bord gewesen wäre.

Auf der einen Seite der Biljan-Bilger-Skulptur „Zuneigung“ erzählte Schlembach von einem Totengräber, der zwischen Grab schaufeln und Lebenssehnsucht nach der wahren Liebe sucht – und das mit einer gehörigen Selbstironie im Stile Thomas Bernhards: „Totengräber sucht Liebe: Zu dramatisch für Hollywood, aber für Österreich sollte es sich ausgehen“.

Auf der anderen Seite Marilies Jagsch am E-Piano: Die Lektorin von Schlembachs Roman verblüfft mit ihrer Stimme und Balladen-artigen Songs, die sie wohlfeil auf Schlembachs Texte abgestimmt hat und damit das Publikum in staunende Betroffenheit versetzt. „I’m still alive“ lautete der Titel ihres Songs, mit dem sie den Abend beendete.

Mario Schlembach ist als Nachfolger seines Vaters Martin beruflicher Totengräber in Sommerein. Mit seinem ersten Roman „Dichtersgattin“ und dem zweiten Buch „Nebel“ verschaffte er sich den Ruf als „Totengräber-Romancier“. Seine Affinität zu Thomas Bernhard ist in seinen Texten offensichtlich.

Im Rahmen seiner Dissertation über Bernhard logierte er auch in dessen Haus. Marilies Jagsch studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft. 2008 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Obituary for a Lost Mind“, 2010 folgte „From Ice to Water to Nothing“.

Werbung